Wochenendtrip nach Kuala Lumpur

Letztes Wochenende habe ich meinen ersten Trip gemacht, es ging mit 5 anderen Mädels nach Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias. Die wohl bequemste Art hinzukommen ist zu fliegen und dank der zahlreichen Budgetairlines ist das auch sehr günstig. Freitagnachmittags ging es also los und wir hatten uns leider etwas in der Zeit verschätzt. Unser Campus ist Westen der Stadt und der Flughafen im Osten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln braucht man gut 1,5h… Die Schlange am Check-in war riesig und für gefühlte 10 Flüge gleichzeitig (1 Schalter!) – irgendwie haben wir es dann doch noch geschafft an unsere Boardkarten zu kommen – aber der Stress ging weiter: unser Gate wurde umgeändert und wir mussten rennen um noch in der Flieger zu kommen. Der Flug war sehr kurz (ca. 45min) und waren dann gleich vom Klima angetan, bei weitem nicht so schwül wie in Singapur, dafür noch mehr Smog.

Der Flughafen liegt außerhalb und so mussten wir noch 1h mit dem Bus, Zug und Taxi fahren um in unser Hotel zu gelangen.
Die Taxifahrt zum Hotel war ein Erlebnis für sich. Wie sich dann nach kurzer Zeit herausgestellt hat, war unser Fahrer Analphabet, konnte also mit der Adresse nichts angefangen, halb blind, die Straßenkarte konnte er samt dicker Hornbrille und Taschenlampe nicht interpretieren und er war des Englischen auch kaum mächtig. Also beste Voraussetzungen um ans Ziel zu kommen. So kam es, dass wir mitten auf der Straße hielten und der Fahrer ausgestiegen ist um die Route zu erfragen – gefühlte 10 Minuten später kam er wieder und wusste endlich Bescheid!  Uns ist schon sehr mulmig zumute gewesen… Unser Hotel lag mitten in Chinatown und die Straßen sahen im Dunklen doch teilweise etwas zwielichtig und heruntergekommen aus, doch unsere Zimmer haben mich positiv überrascht und waren vor allen Dingen sauber und das für 10€ pro Nacht. Und wer sich immer noch fragt wieso unser Taxifahrer das Hotel nicht gekannt hat: in der Stadt gibt es zahlreiche, kleine, unscheinbare Hotels – also quasi unmöglich alle zu kennen.

Der erste Abend ist mir deutlich in Erinnerung geblieben, da ich nach unserem Spaziergang durch das Viertel ziemlich geschockt war und mir leicht anders zumute wurde. Aber alles der Reihe nach: Unser Viertel wirkte wie ausgestorben obwohl es erst 22h war; wir sind dann zu einem Straßenmarkt und haben unterwegs Bekanntschaft mit Kakerlaken, Ratten und Obdachlosen gemacht. Die Straßen wirkten sehr schmutzig, die Fassenden der Häuser zerbröckelt und die wenigen Passanten, ausschließlich Männer, haben uns angegafft. Ich weiß bis heute nicht wo wir da eigentlich waren und warum alles so ausgestorben wirkte… Auf dem Markt gab es Kleidung – Jeans für umgerechnet 1,5€ (!) – Früchte und gefälschte Markenware… Bei den Preisen hier merkt man sehr schnell wie gut man es als Europäer hat und wie reich man eigentlich ist. Dementsprechend haben wir uns allesamt ziemlich fehl am Platze gefühlt, hatten auch Angst beklaut zu werden und waren dann glücklich wieder im Hotel zu sein. Wie ich dann später herausgefunden habe, gab es auch einen Straßenhändler der neben Handtaschen und Uhren auch gefälschte Pässe verkauft hat – und das fast direkt vor unserem Hotel!
Der erste Eindruck dieser Stadt war also eher: Hilfe, wo bin ich da nur gelandet?

Doch bei Tag sah die Stadt dann doch ganz anders aus und das ungute Gefühl des Abends war schnell verflogen und Sightseeing stand auf dem Programm. Zunächst ging es zum central market, ein überdachter Markt und Shoppingparadies für Touristen: Bunte Tücher, Schnitzereien, wunderschöne traditionelle Kleidung und Spa Angebote, die wir dann auch gleich genützt haben. Ich hatte ein Fishspa, hab also meine Hornhaut von Fischen abknabbern lassen – anfangs kitzelt es unheimlich und sobald man sich daran gewöhnt hat, ist die Zeit auch schon vorbei. Allemal eine Erfahrung und durchaus empfehlenswert.

Mittags ging es dann zu den Batu Höhlen, etwas außerhalb der Stadt. Hierbei handelt es sich um eine Hinduistische Stätte: Eine riesige goldene Buddha Statue wacht über das Heiligtum und 272 Stufen führen hinauf in die Höhlenanlagen, die einige hinduistische Tempel beherbergen. Der Aufstieg war weniger anstrengend als gedacht und sehr lohnenswert, unterwegs haben wir zudem noch Bekanntschaft mit einigen Affen gemacht, die teilweise ziemlich dreist sind. Am Fuße der Anlage gab es dann noch eine Art Museum, das zugleich auch Zoo war. Zuerst führte der Weg in eine Art Galerie mit farbenfrohen hinduistischen Gottheiten an den Wänden und dann gab es heimische Tierarten, vorwiegend Reptilien, zu bestaunen.

Zurück in Kuala Lumpur ging es zum KL-Tower, einem Fernsehturm der die Petronas Towers, das Wahrzeichen der Stadt und ehemals höchstes Gebäude der Welt, sogar überragt, da er auf einem Hügel liegt. Wir waren aber allesamt zu geizig die Eintrittsgelder für beide Sehenswürdigkeiten zu zahlen, da 10-20€ ziemliche Abzocke sind. Stattdessen sind wir dann in die nahegelegene Mall shoppen gegangen.

Am Sonntag ging es dann zu Wasserfällen außerhalb der Stadt, die unter Einheimischen ein sehr beliebtes Ausflugsziel sind. Wir hatten an beiden Tagen ein Taxi für 6 Personen, da dies zum einen sehr bequem und gleichzeitig auch günstig war. Natürlich hätten wir auch Bahn oder Bus fahren können, aber es dauert länger und es ist ein ziemlich unangenehmes Gefühl begafft zu werden, da es hier scheinbar Leute gibt, die noch nie weiße, blonde Menschen gesehen haben und den Blick nicht von einem wenden können. So ergeht es also Tieren im Zoo… Bei den Wasserfällen waren wir dann sogar ein ziemlich beliebtes Fotomotiv! Zahlreiche Treppenstufen und Trampelpfade führten hoch zu einem Wasserfall und es gab einige Seen in denen man baden konnte. Das Wasser war allerdings trüb und nicht sehr einladend, so dass ich draußen geblieben bin. Es war für die anderen ziemlich unangenehm sich auszuziehen und im Bikini baden zu gehen, da hier sehr viele Einheimische waren und die meisten in Kleidung schwimmen gegangen sind. Zahlreiche Frauen waren auch in Burkas unterwegs und mir ist es ein Rätsel wie sie damit die Treppen hochgekommen sind, da man teilweise doch mehr klettert als läuft. Jedenfalls haben auch hier die Männer eifrig und ungeniert geglotzt und wir haben zurückgestarrt um sie dazu zu bewegen den Blick abzuwenden.

Später ging es wieder Shoppen und die nahe gelegene Jamek Moschee besichtigen, mit sehr prächtigen Kuppeln und überdachten Gebetsräumen. Jedoch waren die Gläubigen nicht am Beten, sondern am Schlafen! Der große Bazar in Chinatown hatte zum größten Teil gefälschte Markenware im Angebot und auch in Läden konnte diese verkauft werden, die Polizei scheint dies nicht zu unterbinden. Für mich hatte dieser Markt wenig Reiz, da ich viel mehr an einheimischen, traditionellen Produkten interessiert bin.

Kuala Lumpur ist auf jeden Fall sehenswert, aber ein Wochenende sollte reichen um die Stadt zu erkunden. Die Straßen wirken ziemlich dreckig, moderne Wolkenkratzer stehen teilweise unmittelbar neben Bruchbuden und wirklich sicher fühlt man sich hier nicht, vor allen Dingen nicht als Frau, wenn einige Männer es nicht unterlassen können, einen anzustarren.

Am Montag ging es dann zurück nach Singapur und unser Handgepäck wurde tatsächlich gewogen, Koffer hatten wir keine. Erlaubt waren 7kg, eine hatte über 10 und ihr wurde der Pass weggenommen und ihr gesagt, sie solle Sachen aussortieren und wegschmeißen. Zum Glück konnten wir die paar Kilos unter uns aufteilen… Der Flug dauerte fast doppelt so lang wie der Hinflug, wir hatten einige Turbulenzen da sich über Singapur ein Unwetter zusammenbraute. Und da wir unseren Student Pass = Aufenthaltsgenehmigung hatten, mussten wir bei der Passkontrolle nicht Schlange stehen, sondern durften zusammen mit den Einheimischen durch eine elektronische Passkontrolle: erst Pass auflegen und einscannen, durch die erste Schranke durch und dann Daumen auflegen und Fingerabdruck scannen lassen um sich zu legitimieren! Ziemlich beängstigend… Spart aber Personal 😉

Nach diesem Wochenende fühlt sich Singapur wie mein Zuhause an, ich war glücklich wieder hier zu sein, ich mag die Stadt, fühle mich hier sicher und aufgehoben. Und ich schätze die Sauberkeit hier, die wohl der zahlreichen Verbote und den horrenden Strafen zu verdanken ist.

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