Bangkok oder die Dreistigkeit der Taxifahrer

Am Wochenende ging es wieder einmal auf Erkundungstour, diesmal Bangkok. Eine typische Metropole Südostasiens: geschäftiges Treiben, Verkehrschaos, dreckig Straßen, stinkende Kanäle, bunte Märkte, zahlreiche Tempel und dreiste Taxifahrer (dazu komme ich später noch).

So vielen Touristen wie in Bangkok bin ich bisher in Asien noch nicht begegnet, im Backpackerviertel trifft man zahlreiche andere, die gerade ihre Tour durch SOA starten oder zurückkommen – da falle ich als Wochenendtouristin, ausnahmsweise mit kleinem Koffer, doch eher aus dem Rahmen… Hier lässt es sich wunderbar die engen Gassen entlangschlendern, vorbei an Straßenständen mit Souvenirs und unfassbar günstigem Essen –  Massage- und Beautysalons versprechen Entspannung nach anstrengendem Shoppen oder Sightseeing.

Am ersten Tag ging es auf Erkundungstour, die dank mangelnder englischer Ausschilderung sehr spontan verlief. In Bangkok von Punkt A nach B zu gelangen kann zum Abenteuer werden: nimmt man ein Tuktuk hat man eine Achterbahnfahrt inkl. Auspuffgase vor sich, Expressbootfahren ist mehr ein Ratespiel an welchem Pier man wohl aussteigen sollte und als Fußgänger lebt man beim Überqueren einer X-spurigen Kreuzung sehr gefährlich.
Zunächst landete ich auf einem Markt, dessen Gassen hätten kaum enger sein können, billige Kleidung (1€ für einen BH), Essen (25ct), Lebensmittel, Ramsch und Kitsch lockten vor allem Einheimische an. Dann führte mich der Weg zum großen Palast, einem riesigen ummauerten Areal (bitte einmal herumlaufen um den Eingang zu finden) mit Palast und Tempel, den man nur mit langer Hose und bedeckten Schultern betreten darf. Mit ¾ Hose bekam ich dann noch einen Wickelrock verpasst, um den Rest meiner Unterschenkel zu bedecken –  netterweise durften Frauen mit ¾ Rock aber ohne weiteres rein… Sehr pompöse Anlage jedenfalls, mit überteuertem Eintritt, Audioguide nur gegen Reisepass oder VISA-Karte als Deposit erhältlich (gebe ich beides nicht aus den Händen). Es hätte aber vielleicht einer am Ticketschalter darauf hinweisen können, dass Sa & So einige Gebäude geschlossen sind. Dann ging es weiter zum Wat Pho, einem Tempel der einen riesigen liegenden Buddha (46m lang, 15m hoch) beherbergt, auch hier wieder fast einmal komplett um das riesige Areal gelaufen, da es keine Beschilderung gab… In diesem Komplex gibt es auch eine berühmte Massageschule, wo ich mir dann nach dem ganzen Laufen etwas Entspannung gegönnt habe, ich war sehr verspannt… Massiert wird hier am Fließband, naja fast, es reihen sich unzählige Liegen aneinander, Privatsphäre gibt es keine, geredet wird auch nichts. Der Andrang ist riesig, so dass es eine Warteliste gibt. Gelohnt hat es sich allemal, zwar doppelt so teuer wie im Backpackerviertel, aber hier kann man sich sicher sein an seriöse, gelernte Hände zu geraten. Zurück zum Hotel bin ich gelaufen, weil ich die Nase voll von Tuktuk und Taxifahrern hatte. Diese verlangten wohl das 5fache des üblichen Preises und ließen auch nicht mit sich verhandeln, wohl wissend, dass der nächste dumme Touri gleich um die Ecke kommt. Und nach einigen dummen Anmachen seitens der Fahrer (ja manchmal kann es richtig nervtötend sein, als Frau alleine zu reisen), habe ich es dann vorgezogen 1-2km zu Fuß zu gehen.

Am nächsten Morgen ging es früh los, zum schwimmenden Markt in Damneon, etwa 100 km südwestlich von Bangkok, die letzten Kilometer wurden dann noch im Langboot zurückgelegt. Enge Kanäle schlingen sich durch Pfahlbauten, Händler verkaufen ihre Waren vom Boot oder Land aus. Was einst wohl sehr traditionell war, ist heute nur noch touristisch, Einheimische würden sich wohl kaum hierher verirren. Dennoch eine schöne Erfahrung mit einigen Schrecksekunden, da die Boote sehr wackelig sind und bei der kleinsten Gewichtsverlagerung der Passagiere schnell ins Wanken geraten. Einige Touristen haben das erst nach einer Ewigkeit und einem fast gekenterten Boot verstanden…

Wieder in Bangkok war mir die Lust aufs Tourisein und Sightseeing dann schon mehr oder weniger vergangen, also machte ich mich zum Shoppen in die riesigen Malls auf. Eine größer als die andere, die MBK ist größte Ramschparadies aller Zeiten (hier gibt es alles sowohl Klamotten als auch Elektro – aber dass die Waren echt sind, bezweifle ich) und gleich nebenan im Siam gibt es einen Luxusladen nach dem anderen. Zum Abschluss bin ich im Siam Paragon ins Kino, wird schließlich als Top 6 der Sehenswürdigkeiten in Bangkok (!) von Tripadvisor gepriesen – nun ja, gutes Kino, aber auch wieder nicht so einmalig.

Die Taxifahrt nach Hause sollte auch zum besonderen Erlebnis werden…
Taxifahren ist in Bangkok nun mal sehr günstig, aber noch lange kein Grund Touristen am laufenden Band abzuzocken. Dass man bei Tuktuks den Preis verhandeln muss, ist nichts Neues, genauso wie Taxis mit Taximeterschild auf dem Dach und Fahrer, die sich weigern diesen einzuschalten, auch keine Seltenheit sind. Nun gut, nachdem mich zahlreiche Taxis abgewiesen hatten, saß ich endlich in einem das mich mit Taximeter nach Hause bringen sollte. Wie sich schnell herausstellte konnte der Fahrer fast kein Wort Englisch, also habe ich ihm mit Handy und Google Maps klargemacht wo ich hinwollte. Soweit so gut, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, also gleich mal mit GPS gecheckt wo er mich denn nun eigentlich hinfährt. 1. Umweg, der sei ihm noch gegönnt… „Abkürzung“ um evtl. Staus zu entkommen… Naja… Ein paar Minuten später wieder ein Blick auf das GPS: Wo zum Teufel fährt der mich gerade eigentlich hin? Ich frage höflich nach, ob er denn den Weg wüsste – keine klare Antwort – sein Englisch ist nicht zu verstehen. Also zeige ich ihm meine Karte mit GPS und frage verwundert nach, warum wir ca. 2 km vom Weg abgekommen sind – er fühlt sich nicht ertappt, fährt mich nun aber endlich in die richtige Richtung. Eigentlich sollten wir gleich da sein, ich halte ihm immer noch mein Handy als Wegweiser vor die Nase und sage ihm wo ich hin will. Und ehe ich mich versehen kann, nächster Umweg, obwohl wir eigentlich schon fast da waren – mal schnell über die große Brücke zum anderen Ufer. Jetzt reicht‘s. Immer ruhig bleiben und lächeln… Ich bitte ihn zu wenden, was er natürlich nicht macht und stattdessen mit einem riesigen Umweg wieder zurück zum anderen Ufer fährt. Da reicht es mir endgültig, ich lasse ihn stoppen, entschlossen die letzten 500m zu laufen, was wohl deutlich schneller geht als darauf zu hoffen, dass der gute Fahrer endlich die richtige Richtung findet. Und er hält tatsächlich, mimt aber immer noch den Unschuldigen, zum Dank für den guten Service gibt’s noch 3 Baht Trinkgeld 😉 Ich steige kopfschüttelnd aus dem Taxi: wie dreist kann man eigentlich nur sein??? Diese Fahrt hatte mir dann endgültig die Lust aufs Tourisein in Bangkok verdorben. Der Plan für den nächsten Tag: Kochkurs und Spazierengehen, wer brauchst schon Taxis?

Der Kochkurs war großartig, nichts besonders an sich, aber das Essen war fantastisch und ich weiß nun, wie man es zubereitet. Wir waren eine bunte Truppe, ein Indonesier, einer aus Dubai, eine Kanadierin und ich. Wir waren noch kurz einkaufen: Gemüse, Gewürze und Teigfladen für Frühlingsrollen, die vor unseren Augen hergestellt wurden. Es wurde gesungen, gekocht und gegessen… Ich freue mich schon aufs Nachkochen, bin mir aber nicht ganz sicher, ob ich alle Zutaten in Deutschland bekomme. Am besten die Bilder durchklicken, dann seht ihr was ich nun leckeres kochen kann 😉

Später ging es dann doch nochmal auf Sightseeingtour, allerdings zu Fuß, u.a. zum goldenen Berg, der einen guten Ausblick über die Stadt gewährte und nebenbei erwähnt auch keine Touristenabzocke ist und erstaunlicherweise sogar ausgeschildert ist. Später habe ich mir dann mal wieder eine Massage gegönnt, die ich mir nach dem ganzen Laufen auch verdient hatte. Und ich gehe jede Wette ein, dass die 1,5h Massage billiger waren, als Taxi zu fahren! 😀

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