Java: Mit dem Zug von West nach Ost

Meine Reise beginnt in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. In diesem Ballungsraum leben knapp 30 Millionen Menschen und Jakarta ist damit die größte Stadt in Südostasien. Ich werde die folgenden 7 Tage bis Surabaya im Osten Javas reisen, eine feste Route habe ich nicht und werde vor Ort sehen wohin mich mein Weg führt.

Jakarta – Tag 1&2

Ich erreiche Jakarta spät abends, der Highway ist ausgesprochen modern, doch als der Weg zum Hotel durch kleine Gassen führt, offenbart sich Jakartas Armut. Überall Müll, Schotter, Menschen, die am Straßenrand Waren verkaufen. Die Straßen sind kärglich beleuchtet, heruntergekommene Häuser, Obdachlose. Mein Hotel liegt an einer viel befahrenen Hauptstraße, das Gebäude sticht heraus, wirkt in seinem frischen Anstrich einladend. Mein Zimmer ist klein, aber sauber, mit eigener Dusche und Frühstück, für 12€ die Nacht. Das mag wenig erscheinen, aber in Indonesien / Asien bekommt man schon für wenige Euros eine Unterkunft. Ich verzichte auf Schlafsaal und Gemeinschaftsbad und gebe gerne ein bisschen mehr aus, und sichere mir so meine Privatsphäre und Komfort.

Am nächsten Morgen erkunde ich die Stadt, lasse mich mit dem Taxi zum Nationaldenkmal fahren. Jakarta ist riesig, die Entfernungen lassen sich kaum zu Fuß zurücklegen, öffentliche Transportmittel gibt es kaum. Es gibt den Transjakartabus, der auf der Straße sogar eine eigene abgetrennte Fahrbahn hat, die ist angesichts des Verkehrschaos und Dauerstaus auch bitter notwendig. Für Touristen sind die Busse jedoch wenig geeignet, genauso wie die Sammeltaxen, ohne Sprachkenntnisse kommt man da nicht weit. Und Taxifahren ist hier nicht teuer, für einige Kilometer quer durch die Innenstadt zahle ich 2-3 Euro. Es geht schleppend voran, ganz Jakarta scheint unterwegs zu sein, eine zweispurige Fahrbahn wird dreispurig gefahren, Motorräder setzten zu waghalsigen Überholmanöver an. Wenn der Verkehr ins Stocken gerät, stürmen Verkäufer auf die Straße, bieten alles zum Verkauf an, was die Fahrer gebrauchen können: Taschentücher, Getränke, kleine Snacks, Nüsse, aber auch Plastikspielzeug, Souvenirs und ich traue meinen Augen nicht, als sich einer mit einem überdimensionierten, aufblasbaren Hasen an den Autos entlangzwängt… Doch auch der nächste balanciert ein aufblasbares Boot über seinem Kopf an mir vorbei!

Schließlich erreiche ich das Nationaldenkmal, ich steige aus dem Taxi aus und sofort stürzen sich zahlreiche Verkäufer auf mich und bieten mir Essen, Getränke, Postkarten, Souvenirs an… Ich werde auch gefragt ob ich ein Transportmittel brauche, obwohl doch offensichtlich ist, dass ich gerade erst angekommen bin. Ich lehne dankend ab und betrete durch das Haupttor die riesige Parkanlage, in deren Mitte das Denkmal thront. Entlang des Weges sitzen Verkäufer, haben ihre Ware vor sich ausgebreitet, kleine Wagen verkaufen Essen, aus einem Transporter werden billige T-Shirts verkauft. Ich sehe keinen einzigen westlichen Besucher und ziehe alle Blicke auf mich, Kinder mustern mich neugierig, Männer starren mich an, Verkäufer umringen mich, halbstarke Jugendliche machen mich an… Nichts Ungewöhnliches in Südostasien, aber in dieser Fülle nervt es gewaltig. Ich bin auch dezent gekleidet, lange Jeans und T-Shirt – Indonesien ist zwar stark muslimisch geprägt, aber lang nicht alle Frauen tragen Kopftücher, ich sehe genug Einheimische in Shorts und Top – daran kann es also nicht liegen. Es ist wohl eher die Tatsache, dass ich eine westliche Frau bin, blond und alleine unterwegs. Einige machen heimlich Fotos von mir, ich werde ständig gefragt woher ich komme und wohin ich gehe – weniger aus wahrem Interesse, die meisten wollen mir etwas verkaufen – ich ignoriere sie.

Als es zu regnen anfängt, zwänge ich mich zusammen mit anderen durch eine Lücke im Zaun, der offizielle Ausgang ist hunderte Meter weiter. Ich besichtige das Nationalmuseum um dem Regen zu entkommen, es beherbergt zahlreiche indonesische Artefakte, Skulpturen, die Tempeln entliehen wurden und erläutert die Schifffahrt und Bedeutung Jakartas (früher Batavia) als Handelsstützpunkt.
Gleich am Anfang lerne ich Hanny kennen und beschließen zusammen das Museum zu erkunden.  Sie stammt aus Jakarta und war eigentlich mit einer Freundin verabredet, die sie in letzter Sekunde versetzt hat und ist glücklich mich als Begleiterin gefunden zu haben. Sie ist schwer beeindruckt, als ich ihr erzähle, dass ich alleine unterwegs bin, bewundert meinen Mut und meint sie habe keine Freundinnen, die so etwas machen würden. Beide mit unserer Spiegelreflex bewaffnet machen wir Bilder, unterhalten uns über Kultur, Jakarta und Java. Sie gibt mir Tipps was sich lohnt anzuschauen und bietet mir an mich zum Bahnhof zu begleiten und mir noch ein gutes Restaurant zu zeigen.

Am Bahnhof frage ich nach einem Zug nach Bogor, einer kleinen Stadt etwas außerhalb von Jakarta, man verweist mich an einen anderen Bahnhof, es gibt hier davon einige. Dort erfahre ich dann, dass die Strecke teilweise eingestürzt ist und der Zugverkehr bis auf weiteres eingestellt ist und empfiehlt mir den Bus zu nehmen. Ich ändere meine Pläne und kaufe stattdessen ein Ticket nach Bandung. Da dieser Bahnhof keine 500m von meinem Hotel entfernt liegt entschließe ich mich zu laufen. Sehr spezieller Spaziergang, einen Gehweg gibt es nicht wirklich, er dient als Motorradstellplatz, Straßenverkäufer breiten sich darauf aus. Neben mir eine sechsspurige Fahrbahn, ich atme Abgase ein, bekomme kaum Luft. Ich laufe meist auf dem Seitenstreifen, da ich auf dem Fußgängerweg nicht richtig laufen kann, überall Müll, der bei dieser Hitze bestialisch stinkt, ich überquere eine Brücke, der Fluss ist braun übersät mit treibendem Abfall, es riecht nach Kloake. Im Hinterhof zwischen zwei Häusern entdecke ich Wellblechhütten, wenig später klafft im Gehweg ein metergroßes und tiefes Loch und gibt Einblick in die Kanalisation. Als ich dann das Hotel erreiche, bin ich erleichtert, schnappe mein Gepäck und nehme das Taxi zum Bahnhof.

Da der Zug erst in 2h losfährt, setzte ich mich in ein Restaurant und bestelle Nasi Goreng Ayam, gebratener Reis mit Hühnchen. Wer mich kennt, weiß dass ich das Tiefkühl-Nasi Goreng von Frosta liebe, aber wie ich hier feststellen musste, ist es wohl eine deutsche Abwandlung. Hier wird normaler Reis, statt Safranreis verwendet, lang nicht so viel Gemüse verwertet und schön fettig angebraten – schmeckt aber auch. Am Tisch neben mir lerne ich Nino und Ika kennen, die Wartezeit vergeht wie im Fluge und wir tauschen Kontaktdaten aus. Mit Nino stehe ich seitdem in regelmäßigem Kontakt, gibt mir Sightseeingtipps, erkundigt sich wie es mir geht.

Jakarta bleibt mir als riesige, laute, dreckige Stadt in Erinnerung, in der ich aber einige sehr nette Menschen kennen gelernt habe.

Zug nach Bandung Tag 2

Ich fahre für umgerechnet 6€ „eksekutiv class“, 1. Klasse mit verstellbaren Sitzen mit viel Beinfreiheit, Klimaanlage und einem TV mit Unterhaltungsprogramm, wohlgemerkt einer für alle. Die Diesellok tuckert langsam vor sich hin, für die Strecke von ca. 120 km braucht der Expresszug über 3h. Mein Wagen wirkt alt und schmuddelig, Personal bieten Snacks und Getränke an, ein Putzmann wischt durch, ich habe das Gefühl, dass der Boden dadurch eher dreckiger wird. Aber die Reise ist angenehm, da es schnell dunkel wird und nichts mehr zu sehen ist, suche ich mir per Smartphone eine Unterkunft heraus.

Zug

Zug

Bandung – Tag 2-4

Wie immer werde ich beim Aussteigen belagert, bietet mir ein Taxi an, ich werde aber zu einem Auto geführt, das so gar nicht nach Taxi aussieht, ich lehne ab.
Wie sich dann herausstellt, ist das Hotel eher außerhalb, aber dafür total schön gelegen mit Garten und riesigen Zimmern. Für den nächsten Tag buche ich einen Fahrer. Der bekannteste Vulkan auf Java ist wohl der Bromo, Touren im Internet kosten 200 USD, so beschließe ich stattdessen lieber in Bandung den Tangkuban Perahu zu erklimmen, ganz entspannt ohne Massentourismus.
Auf Bali wollte ich eigentlich auch schon auf einen Vulkan hoch, doch stattdessen brachte mich der Fahrer in ein Restaurant gegenüber, mit guter Sicht auf den Vulkan und redete sich heraus, am Ende des Tages war ich sehr genervt, weil der Fahrer so gut es ging Sprit sparen wollte.
Doch jetzt sollte es endlich klappen.
Am frühen Morgen geht es los und ich war den ganzen Tag mit Fahrer Denny auf Erkundungstour. Ich möchte zunächst zum Bahnhof um meine Fahrkarte für den nächsten Tag zu kaufen, stattdessen werde ich in einen Supermarkt gebracht, wo man ebenfalls Tickets kaufen kann. Warum wohl? Weil er eine Mitgliedskarte hat und ordentlich Punkte kassiert!
Die Tour führt dann tatsächlich zum Vulkankrater, der mit dem Auto zu erreichen ist. Es regnete schon wieder, einige Touristen (Einheimische) sind hier ebenfalls, das Wetter trüb, Nebel umhüllt den Vulkan, mich fröstelt es leicht. In der Luft hängt Schwefelgeruch, es riecht nach faulen Eiern, im Krater dampft es ein wenig und aus der Ferne erklingt aus Pfeifen „Hänschen klein“.
Weiter geht es zum „Hotspring“, einem Thermalbad mit warmer Wasserquelle. Ich gönne mir zunächst für keine 2€ (in Singapur das 10fache) einen Fishspa, lasse mir die Hornhaut wegknabbern.
Die Thermalquelle betrete ich in langen Badeshorts und T-Shirt, keine Frau läuft hier im Badeanzug, geschweige denn Bikini herum.
An der Besichtigung einer Erdbeerplantage habe ich wenig Interesse, die Pferderanch ist geschlossen und so gibt es erst einmal Mittagessen. Mein Fahrer lädt sich ohne Absprache zum Essen ein, ich reagiere leicht säuerlich – die Fahrt über hat er mich schon zugejammert, dass das Hotel so viel Provision kassieren würde, die Raten für sein Auto so teuer wären. Ich zahle immerhin 45€ für die Tour, in Indonesien eine stolze Summe. Er ist kaum älter als ich, erzählt mir viel über die Tourismusbranche, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass er ein kleines Schlitzohr ist. Ich bin dann sehr überrascht, als er mir anbietet mich am nächsten Tag kostenlos zum Bahnhof zu fahren. Das sei eine Serviceleistung, damit ich ihn weiterempfehle… Naja…
Es geht noch zu Shoppingmalls und Factory Outlets wo es sehr billige (gefälschte) Markenware für wenige Euros zu kaufen gibt, der Kaufrausch bleibt aus, er ist sehr verwundert, dass ich rein gar nichts kaufe. Warum soll ich mir auch offensichtlich falsche Kleidung in schlechter Qualität kaufen?
Es regnet wieder in Strömen, kleine Kinder stehen vor dem Eingang mit Regenschirmen und eskortierten die Kunden zu ihren Autos. Ich habe meinen eigenen Regenschirm mitgebracht. Das geplante Sightseeing fällt ist Wasser, vom Auto aus zeigt mit Denny einige Bauten kultureller Bedeutung.

Mein Zug fährt um 7 in der Frühe und ich bin um 5h 30 mit Denny verabredet. Ich bin sehr misstrauisch ob er mich abholt und tatsächlich ist niemand in Sicht, als ich 15 Minuten später die Rezeption beauftrage mir ein Taxi zu rufen, kommt er doch noch. Für seinen kostenlosen Service, lässt er sich dann noch gern ein gutes Trinkgeld geben.

Zug nach Yogyakarta – Tag 4

Am Bahnhof begegne ich zum ersten Mal anderen Backpackern, die allerdings einen anderen Zug nehmen. Ich fahre wieder 1. Klasse und vor mir liegt eine 7-stündige Zugfahrt für 300 km. Der Zug ist noch schmuddeliger… Den ersten Zug nach Bandung hätte ich noch mit einem versifften Regionalzug der Deutschen Bahn gleichgestellt. Als ich etwas herumlaufe und aufs Klo gehe, stelle ich fest, dass es einer deutschen 3. Klasse entsprechen würde: Hockklo mit Sicht auf die Gleise, einige Außentüren lassen sich nicht mehr schließen und flattern im Fahrtwind, die Verbindung zwischen den Wagons ist auch etwas luftig. Aber die Sitze sind komfortabel und es soll gar nicht so klingen, also ob ich mich beschweren würde: ich hatte mich schon darauf eingestellt auch mal in Zügen mit Holzbänken zu fahren, in denen sich Mensch und Vieh scharen. Da war dieser Zug richtig komfortabel, nur hatte ich mir von der 1. Klasse ein wenig mehr versprochen, ich hatte in einem Blog gelesen, dass die Verpflegung im Preis mitinbegriffen war – hat sich wohl in der Zwischenzeit geändert.

Die 7 Stunden Fahrt vergingen schnell, ich hatte eine sehr nette und gesprächige Nebensitzerin, Emma, die ihre Eltern in Surabaya besucht und so den ganzen Tag im Zug verbringt. Sie erzählt mir von Ihrem Sohn, der in der Türkei studiert und zeigt mir ganz viele Fotos. Ich zeige ihr ebenfalls viele Fotos von meinem Reisen. Ich schaue aus dem Fenster, mache viele Fotos von der Landschaft und den Arbeitern auf den Reisplantagen. Java ist sehr grün, meist rechts und links Reisplantagen, die Eisenbahnstrecke bahnt sich ihren einsamen Weg durch die Landschaft. Ich beobachte die Arbeit auf den Feldern, es wird fleißig gepflügt und angepflanzt, Enten schwimmen im Wasser, hin und wieder ein kleines einfaches Dorf, die Strecke führt an den Wäscheleinen der Bewohner vorbei. Schulkinder laufen auf den Gleisen, Schranken hindern Motos am Weiterfahren. Ich sehe Friedhofe, die zu meiner Verwunderung bunte Gräber haben. Die Landschaft ist wunderschön, aber leider in der Nähe von Dörfern ziemlich zugemüllt. Die Häuser sind sehr einfach, teilweise mit Strohdächern, ich sehe sehr viel Armut, aber viele strahlende Gesichter. Der Zug hält in einigen größeren Städten, Händler kommen zu den Türen geeilt und preisen ihre Waren an.

Yogyakarta – Tag 4-6

Ich komme in Yogyakarta an (wird ausgesprochen: Jog-Jakarta und am Bahnhof auch so geschrieben) und da ich ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs gebucht habe, laufe ich. Beim Verlassen des Bahnhofes werde ich von einer Meute Becakfahrer (Fahradtaxis) empfangen, ich lehne ab. Jede, wirklich jede 5 Meter werde ich angesprochen, ob ich einen Transport möchte, sie scheinen es nicht fassen zu können, dass ich laufen möchte. Es zeigt sich wieder dasselbe Bild wie in Jakarta, die Gehwege sind zugeparkt oder mit Straßenständen zugestellt. Der Verkehr ist hier zum Glück etwas übersichtlicher. An jeder Straßenecke warten Becaks auf Kundschaft, aber viele Fahrer sitzen auch selbst drin und schlafen 😉 Mein Hotel liegt direkt in einem Straßenmarkt, wo frisches Gemüse, Obst und Hühner verkauft werden.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf ziehe ich los, ich laufe und wieder rufen mir alle Fahrer zu. Mein Ziel ist es ein Reisebüro zu finden und für den nächsten Tag einen Ausflug zu den Tempeln von Borobodur und Prambanan zu buchen. Gar nicht so einfach… Es gibt eine „Touristenstraße“, die Malioboro, mit zahlreichen Geschäften und Ständen, die Batik und Souvenirs verkaufen. Ein Reisebüro suche ich hier vergeblich… Ich laufe weiter, schaue mir die Stadt an und merke schnell, dass sie nicht für Fußgänger gemacht ist. Die Kreuzungen sind ziemlich gefährlich, es gibt zwar Ampeln für Autos, aber keine für Fußgänger, der Zebrastreifen ist eindeutig nur Straßendekoration. Man kann sich auch nicht darauf verlassen, dass bei rot alles stehen bleibt. So bleibt nur eine Möglichkeit über die Kreuzungen zu kommen, einen günstigen Augenblick abwarten, bis zum Mittelstreifen rennen und wieder abwarten. Mit Google Maps finde ich dann schließlich eine Straße mit gleich 3 Reisebüros nebeneinander. Im ersten erklärt man mir, dass die Touren erst ab 2 Personen durchgeführt werden und dass es außer mir niemanden gibt. Nebensaison! Im 2. Reisebüro habe ich Glück! Ich buche für ca. 5€ eine Tour, die um 5h morgens startet :S Ich soll auch gleich die Eintrittsgelder mitbezahlen, insgesamt über 30 USD! Ich hake nach und meine, ich hätte im Internet gelesen, dass es deutlich günstiger sei. Dann rückt er raus, dass es einen Studententarif mit 50% Ermäßigung vor Ort gibt. Es gibt auch Vulkantouren, zum erwähnten Bromo. 200 USD wie im Internet sind es zwar nicht, aber dennoch über 50€, inkl. einer 11stündigen Fahrt im Minibus. Die Übernachtung ist zwar inbegriffen, man bekommt aber max. 4h Schlaf. Ich verzichte auf den Stress, ein Vulkan reicht mir.

Ich werde pünktlich um 5h abgeholt, nicht wie erwartet mit einem Bus, sondern mit dem Auto. Außer mir machen nur noch 2 diese Tour – absolute Nebensaison! Und wie sich herausstellt sind wir drei alleinreisende Frauen. Valerie verbringt ihren Jahresurlaub hier, Jenny ist schon seit fast 2 Jahren auf Reisen. Um 6h erreichen wir Borobudur, durch eine Parkanlage gelangt man zum buddhistischen Tempel. Nebel umhüllt dieses prachtvolle Monument, das vage an eine Stufenpyramide erinnert und lässt es mystisch wirken. Es sind kaum Besucher da und so kann man den Anblick genießen. Die Anlage scheint von Vulkanen bewacht zu werden und liegt friedvoll da… Ich erklimme Stufe für Stufe, bewundere Reliefs und Skulpturen und nehme mir viel Zeit, auf der letzten Plattform stehen die berühmten Stupas (erinnern an Glocken). Von hier oben hat man auch einen wundervollen Blick, ich genieße die Stille am frühen Morgen. Der Rückweg führt wie leider so oft, durch einen Touristenmarkt. Allerdings ist es mir rätselhaft, wie die Händler in der Nebensaison bei so wenig Kundschaft ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Weiter geht’s! Wir machen unterwegs noch halt an einem kleinen Tempel mit Kloster.

Kloster

Kloster

Wir erreichen Prambanan zur Mittagszeit, die Sonne glüht und meine Sonnenbrille liegt in Singapur… Hier gibt es die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens zu bewundern, nach einem Erdbeben in 2006 ist allerdings einiges zerstört, einen Tempel darf man nur mit Helm betreten. Verkäufer belästigen mich, es sind einige Einheimische unterwegs, die mal wieder Fotos von mir machen. Eine Mutter zieht ihre Kinder schnell zu mir und möchte Fotos von uns machen. Sie fragt während sie den Auslöser drückt, ob sie mich fotografieren darf –   von so viel Frechheit genervt, entgegne ich ihr schlicht nein, ich drehe mich weg. Ich will gar nicht wissen wie sich Promis fühlen, hilfe! Wenn jemand nett und höflich fragt, macht es mir nichts aus, aber wenn man so dreist vorgeht reagiere ich gereizt.

Nachmittags bin ich wieder im Hotel und es ist wieder Zeit für einen Mittagsschlaf. Später ziehe ich los und schlendere durch die Gassen, höre Straßenmusikern zu, beobachte Künstler bei ihrer Arbeit. Ich kaufe einige Souvenirs, durch die Straßenstände bahnt sich ein Blinder den Weg, der mit seinem lausigen Gesang etwas Geld verdient. Ich möchte helfen und nutze die Gelegenheit, nerviges Kleingeld loszuwerden. Ein kleines Kind kommt auf mich zu, „Touch me, Miss!“ und streckt mir seine Hand entgegen, ich lege meine in seine – es strahlt. Das Lächeln berührt mich tief.
Später auf einem Straßenmarkt berührt mich unaufgefordert ein Mann und versucht mich zu begrapschen, na danke! Ich beschimpfe ihn und er macht sich schleunigst vom Acker. Manchmal kann es als alleinreisende Frau richtig anstrengend werden… Aber keine Sorge, wirklich schlechte Erfahrungen habe ich (bisher) noch keine gemacht.

Zug nach Solo (Surakarta) Tag 6

Ich nehme am nächsten Mittag einen Zug der economy Klasse in das 1 ½ Stunden entfernte Solo (auch Surakarta), das Ticket kostet gerade mal ca. 80ct! Diesmal sehe ich mich wirklich zwischen Hühnern und halben Kühen, werde aber total überrascht. Der Zug erinnert von der Bauweise an eine MRT, Sitzbänke aus Plastik, keine Klimaanlage, es ist stickig, der Geruch von Schweiß hängt in der Luft, der Fahrtwind hilft auch nicht wirklich. Es sind viele Jugendliche und Geschäftsleute unterwegs. Der Schaffner knipst Löcher in die Fahrkarte, hinter ihm ein Putzmann, der die Schnipsel wieder auffegt. An einer Station steigt ein Mann mit einer Hakenkreuzjacke ein, er trägt die Armbinde stolz zur Schau, auf seinem Rücken prangt das Logo der NSDAP. Ich bin schockiert.

Zug

Zug

Solo – Tag 6&7

In Solo angekommen, handle ich den Fahrpreis mit Becakfahrern aus, ich höre etwas von 50000, zeige die Adresse, dann sind es plötzlich nur noch 10000. Mir kommt der Verdacht, dass der Gute 10 und 100 verwechseln könnte und hebe ihm um sicher zu gehen den 10000 Schein (80ct) vor die Nase. Er willigt ein. Wie sich herausstellt, arbeitet er für das Schwesterhotel – daher der billige Preis. Und als wir durch die Gassen fahren wird mir auch schnell klar, dass es hier kaum Tourismus gibt. Ich begegne hier absolut keinem Touristen! Die Straßen sind dreckig, die Häuser halb eingefallen, die Stadt wirkt extrem arm. Von einer 2. Kulturhauptstadt wie es im Lonely Planet heißt, merke ich wenig. Dafür erlebe ich hier zum ersten Mal das ursprüngliche indonesische Leben ohne Touristen.

Ich schlendere zur Hauptstraße, deren Gehwege erneuert werden und zahlreiche Arbeiter gemütlich Platten verlegen. Mein Weg führt zu einem Basar, einem überdachten Markt, die Leute mustern mich neugierig. Es ist düster, der Boden verdreckt, es gibt Stände mit Früchten, Knabbereien. Es wirkt vermüllt, das Holz ist modrig, es stinkt, an mir huscht eine Ratte vorbei. Ich kaufe mir eine Mango und eine Schlangenfrucht (keine 40ct) und einige Knabbereien. Englisch spricht keiner, aber die Leute sind ausgesprochen nett, begutachten meinen Lonely Planet, den ich unterm Arm klemmen habe.

Als ich draußen bin fängt es mal wieder an zu regnen! Es ist gerade Regenzeit und so regnet es ausnahmslos jeden Tag. Ich rette mich zum Postamt und schreibe Postkarten und da der Regen nicht aufhört, lasse ich mich zu einem Italiener fahren. Richtig edel und teuer für Java, ich bekomme für 11€ 3 Gänge. Zurück im Zimmer muss ich erst einmal ein halbes Duzend Moskitos erschlagen und hänge mein Netz provisorisch auf.

Zug nach Surabaya – Tag 7

Um 8h morgens geht es weiter zu meiner Endstation Surabaya, die Fahrt dauert 4h und ist ziemlich langweilig. Ich muss feststellen, dass alle Züge bis jetzt äußerst pünktlich waren. Ich habe keine Nebensitzer, schaue zum Fenster heraus, döse vor mich hin. Die Landschaft ist besiedelter, ich komme an erstaunlich vielen Wäldern vorbei.

Surabaya – Tag 7&8

Mein Hotel ist vielleicht 500 Meter Luftlinie entfernt, Becakfahrer kommen auf mich zugestürzt und verlangen unverschämte Preise, ich beschließe zu laufen, muss aber bald feststellen, dass das nicht möglich ist. Es führt nur eine Hauptstraße mit chaotischem Verkehr ohne Gehweg direkt hin, die kleine überschaubare Straße schlängelt sich in die falsche Richtung. Ich muss ein Taxi nehmen, halte eins mit Taximeter an und zahle gerade mal die Hälfte vom Preis, den man mir vorher genannt hat. Mein Hotel ist mit 23€ gut 10€ teurer als sonst, aber ich habe sonst nichts gefunden. Die Unterkünfte im Lonely Planet fallen im Internet schlichtweg durch und die besseren Hotels liegen eher außerhalb. So beschließe ich mir für die letzte Nacht, etwas „Teueres“ zu gönnen und tatsächlich, das Hotel ist ziemlich edel und im 6. Stock habe ich einen guten Blick über die Stadt.

Ich mache mich wieder zu Fuß auf, Wikitravel ist sehr hilfreich, „Surabaya besitzt nur wenige herausragende Sehenswürdigkeiten. Sie ist somit ideal für Leute die eine Stadt ohne Tourismus erleben wollen.“ Im Lonely Planet wird ein Basar empfohlen, aber der von gestern reicht mir noch. Ich mache mich auf den Weg zu einer Shoppingmall. Das Viertel sieht an sich ziemlich schick aus, aber immer wieder schlichte Holzbaracken. Es regnet wieder, also erkunde ich die Mall, werde mal wieder von Halbstarken angemacht und verfolgt – irgendwann reicht es dann auch!
Genervt mache ich mich auf den Weg zurück zum Hotel. Der schreckliche Verkehr und der Regen laden keinesfalls zu weiterem Sightseeing ein, ich verbringe einen gechillten Abend im Hotelzimmer.
Das ganze Personal scheint mich zu kennen, spricht mich mit Miss Larissa an, richtig unheimlich.

Flug nach Singapur

Hier sitze ich nun am Flughafen und warte auf meinen Flug, der Flughafen ist winzig und mit 10 Gates sehr überschaubar, die Sicherheitskontrollen ein Witz, ich habe noch sämtliche Metallgegenstände (Schlüssel, Münzen, Sicherheitsschloss) in der Hosentasche. Das Beste ist die handgeschriebene Boardingkarte! Als ich am Gate warte kommt die Durchsage, dass der Flug um 2h verspätet sei. Nebenan beginnt das Boarding für einen Flug der am Vorabend stattgefunden hat. Ich sehe aber meinen Flieger und erkundige mich, tatsächlich mein Flug! Was für ein Chaos! An Board frage ich zur Sicherheit auch noch mal nach 😉
In Singapur warte ich noch eine gefühlte Ewigkeit auf meinen Koffer und fürchte schon er sein verloren gegangen (wäre dann das 2. Mal dieses Jahr).

Ausblick

Ein anstrengender Tag geht zu Ende. Aber die Reise war toll, ich habe viele Einheimische kennen gelernt, über 800 Km im Zug zurückgelegt und viel gesehen und erlebt. Die Tempelanlagen haben einen starken Eindruck hinterlassen, aber auch so manch strahlendes Gesicht. Ich habe viele Bilder gemacht und gefilmt, ich hoffe, das noch eines Tages verwerten zu können…

Morgen muss ich mein Zimmer räumen und am Montag geht es nach Kambodscha.

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