Vietnam Teil 1: Hanoi und Halong Bay

Mein Wecker klingelte mal wieder viel zu früh. Noch im Dunklen ging es zum Flughafen, der Flieger sollte um 7h abheben. Ich hatte am Tag davor die Nachricht bekommen, dass mein Flug mit Vietnam Airlines gestrichen sei und ich wurde auf Cambodia Angkor Air umgebucht… Welch eine Freude, hatte ich doch Vietnam Airlines ausgewählt um nicht mit einer dubiosen Airline fliegen zu müssen.
Der Flughafen von Siem Reap entpuppte sich als winzig, 4 Gates, total schnuckelig. Beim Einchecken wurde mir erzählt, dass es nur 22 Passagiere gibt, in einem Airbus A321, der knapp 200 Leuten Platz bietet. Ich hatte also extrem viel Platz und den halben Flieger für mich. Von Cambodia Angkor Air war ich positiv überrascht, modernes, neues Flugzeug, guter Service.

Nach 1h30 landeten wir in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams. Ich hatte mein Visum wieder online beantragt um nicht zur Botschaft zu müssen, wäre im Nachhinein vielleicht doch schneller gegangen…
Ich musste zunächst meinen Pass mit dem Antrag abgeben und dann hieß es warten. Die Schlange an der Abholstelle wurde länger und länger und war schließlich gut 50 bis 100 Meter lang. Es ging keinen Schritt vorwärts und das eine geschlagene 3/4 Stunde lang. Wie sich herausstellte, musste das Visum erst noch von einem Beamten unterschrieben werden und der hatte es offensichtlich vorgezogen genüsslich Kaffeepause zu machen. Eine Ewigkeit später und 25 USD ärmer wollte ich dann mein Gepäck in Empfang nehmen. Tjao, außer dass unser Flug so winzig war, dass es offenbar nicht die Mühe wert war, ihn anzuschreiben…
Ich fragte mich also durch und wartete an dem Band wo mein Gepäck kommen sollte… Ich wartete und wartete und es kam nichts. Die anderen ausgeschriebenen Flüge hatten schon längst ihr Gepäck und mich erfasste wieder dieses schlimme Gefühl, dass meine Sachen weg sein könnten. Ich erkannte allerdings andere Passagiere meines Fluges und gemeinsam harrten wir noch fast eine Stunde aus.
Denkbar ungünstiger Start und leider wurde es auch nicht viel besser…

Ich hatte über das Hotel einen Fahrer gebucht um nicht in die Fänge der Taxi-Mafia zu geraten. Dieses Ärgernis ist nicht zu unterschätzen, ich habe später zwei Backpackerinnen kennen gelernt, denen das tatsächlich passiert ist. Sie wurden von ihrem Taxifahrer bedroht und um ihr ganzes Geld erpresst…
Deswegen hatte ich um auf Nummer sicher zu gehen einen Fahrer vom Hotel gebucht, die Fahrt verlief reibungslos, allerdings war der gute Herr extrem mürrisch und unfreundlich und hat keine Anstalten gemacht mir mit meinem Gepäck zu helfen.

Im Hotel angekommen, hieß es erst einmal warten. Es hieß, das Zimmer werde für mich fertig gemacht, während dessen bekam ich kostenlos Frühstück und wurde über Touren nach Halong Bay informiert. Übernächtigt wie ich war, wünschte ich mir nichts Sehnlicheres als ein Bett. Doch dieser Wunsch wurde mir nicht erfüllt, mein Zimmer war immer noch nicht fertig und man bot mir an in einem anderen Hotel derselben Kette unterzukommen. Ich war leicht skeptisch, aber das Argument, dass ich für den selben Preis ein Upgrade bekomme, die Zimmer größer seien und das Hotel einen Spabereich hätte, zählten dann doch.

Gut 5 Stunden nach der Landung konnte ich endlich in mein Bett sinken und etwas Schlaf nachholen. Und tatsächlich war mein Zimmer wie versprochen sehr groß und komfortabel.

Hanoi wäre eigentlich eine charmante Stadt wären da nicht der chaotische Verkehr und einige unfreundliche Zeitgenossen.
In Vietnam herrscht für mich ungewohnter Rechtsverkehr, in der Realität wird da gefahren wo Platz ist. Motorräder schlängeln sich an allen Seiten vorbei, Fußgängerwege dienen als Parkplatz oder Ladenfläche. Als Fußgänger ist man so mehr oder weniger gezwungen auf der Straße zu laufen. Verkehrsregeln scheint es hier ebenfalls keine zu geben – rechts vor links? Noch nie gehört! Kreuzungen werden so von allen 4 Seiten attackiert, in der Mitte bildet sich ein Knäul, das sich je nach Verkehrsaufkommen erst Minuten später wieder entwindet…
Und dazwischen Fußgänger, wer stehen bleibt kann warten. Die einzige Möglichkeit, die bleibt um über die Straße zu kommen, ist sich mutig in das Geschehen zu stürzen und hoffen nicht angefahren zu werden. Die Fahrer scheinen allerdings sehr geübt darin zu sein Fußgängern auszuweichen, also kommt man relativ ungeschoren über die Straße. Berufsverkehr um 17h ist wohl mit der schlimmste, den ich jemals erlebt habe. Da viele Gehwege unpassierbar sind, läuft man auf der Straße, wo sich unfassbar viele Motorräder kompakt auf kleinstem Raum zusammendrängen und verkeilen. Als Fußgänger steht man gequetscht in einem Freiraum an der Seite und wird manchmal gestreift. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass bei diesem Chaos unheimlich viel gehupt wird, es allgemein sehr laut ist und die ganze Situation extrem nervenaufreibend ist. Einen gemütlichen Spaziergang zu machen ist so quasi unmöglich und etwas verträumt durch die Gassen zu laufen Selbstmord.
Als Tourist wird man selbstverständlich noch von jedem Taxi angehupt, jedem Fahrradtaxi angesprochen und von fliegenden Händlern belästigt, die in ihren Wägen und Körben alles von Obst bis Haushaltswaren verkaufen. Ein paar Bananen kosten dann unverschämte 5 Euro, auf einen normalen Preis runterhandeln gestaltet sich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse zum Ding der Unmöglichkeit. Einige Passanten und Verkäufer schnauzen einen an, falls sie merken, dass sie ungewolltes Beiwerk eines meiner vielen Fotos werden.

Ich habe mich in dieser Stadt nicht sehr willkommen gefühlt und am laufenden Band negative Erlebnisse gehabt, seien es Verkehrsrüpel oder Verkäufer, die versuchen einen zu betrügen oder schlicht unfähige Bedienungen.
Ich war am dritten Abend essen, lernte dort eine andere nette deutsche Bachpackerin kennen. Ich bekam zuerst das falsche Essen, sie hatte auf ihrer Rechnung ein Bier, das sie nie bestellt hatte und ich bekam komplett die falsche Rechnung. Vom Nachbartisch kamen auch Reklamationen…
Beim Briefmarkenkauf bekam ich zu wenige marken… Mir wurde Geld falsch herausgegeben…
Und da solche Sachen absolut jeden Tag passiert sind, kann ich nicht glauben, dass es sich um Versehen handelt, vielmehr um gezielte Abzocke.

Von Hanoi habe ich einen 2D1N Ausflug zur Halong Bucht gemacht, die UNESCO Erbe ist. Ich hatte vom Hotel eine Tour empfohlen bekommen, die eher junge Backpacker zur Zielgruppe hatte – klang gut. Wie sich herausstellte war unser Schiff das Party Boat und die meisten Passagiere mehr an Alkohol als an Kultur interessiert. Ich wurde mit dem Partyvan vom Hotel abgeholt und die Fahrt dauerte gut 3h30, was mal wieder auf die schlechten Straßen in Asien zurückzuführen ist. Der Guide versuchte das Partyvolk bei Laune zu halten und ich ahnte jetzt schon, dass die Tour anstrengend werden würde und ich lieber mit einem Rentnerschiff hätten vorlieb nehmen sollen. Auf dem Schiff angekommen gab es dann von einigen Wasserstoffperoxid-Barbie-Püppchen erstaunte Ausrufe: „Oh wow, hier sieht die Landschaft ja großartig aus! Und es gibt ja viel mehr Felsen, die aus dem Wasser ragen, als auf dem Werbefoto, da waren es ja nur 2…“ Die meisten schienen keine Ahnung zu haben, was es mit der Halong Bay auf sich hat und waren nur zum Feiern gekommen. Großartig! Zum Glück lernte ich ein französisches Pärchen kennen, das wie ich auch mehr an Kultur interessiert war und denen das Hotel, ähnlich wie mir, verschwiegen hatte, dass es sich um eine Party handelt.
Später ging es eine Höhle besichtigen, die super kitschig beleuchtet war und nur so von Touristen überlaufen war.
Der nächste Programmpunkt sah vor zum Sonnenuntergang mit kostenlosem Wein anzustoßen. Ich wollte aber viel eher den Sonnenuntergang genießen und tolle Bilder machen! Wein trinken konnte ich immer noch später und so ließ ich mich von meinem Vorhaben nicht abbringen… Der Rotwein war im Übrigen der widerlichste, den ich jemals getrunken habe…


Nach dem Abendessen gab es dann ganz viel Party, Karaoke und Alkoholleichen, die den Weg nicht mehr zurück ins Bett gefunden haben. Am nächsten Morgen wurde dann die Getränkestrichliste ausgewertet und wir zur Kasse gebeten, einige haben dann vehement protestiert und geleugnet jemals so viel getrunken zu haben. Herrlich 🙂
Das Tourprogramm sah nun Schwimmen, Kajakfahren oder Trekking vor. Ich war mal wieder genervt, dass andere über meinen Tagesablauf bestimmen wollten. Wer mal eine Weile alleine verreist und selber über seinen Tag bestimmt hat, weiß wie schwer es fällt zu einer vorgegebenen Zeit aufstehen, Essen zu müssen und diversen Aktivitäten nachgehen zu müssen.
Ich wäre gerne Kajak gefahren, aber das Wetter hatte sich über Nacht schlagartig geändert und wir hatten statt der 25 Grad vom Vortag vielleicht noch 15. Für mich eindeutig zu kalt um auch nur in Berührung mit dem Wasser zu kommen und so zog ich es vor dick eingepackt auf dem Deck zu bleiben und noch einige Fotos von den nebelumhüllten Felsen zu machen.
Später lernten wir Frühlingsrollen zu machen, die es dann zum Mittagessen gab.

Die Rückfahrt mit dem Minibus dauerte ewig, einige Stunden länger als die Hinfahrt. Da zwei Personen mehr zurückfuhren war es extrem eng und unbequem. Viele waren verkartet, einer musste Spucken und hat es zum Glück noch rechtzeitig hinausgeschafft.
Schlagartig wurden wir alle wach, als ein Hupkonzert um uns ertönte und Reifen quietschten. Wir befanden uns an einer Kreuzung und rechts von uns war ein Truck stehen geblieben, keine 20 cm von meiner Fensterscheibe entfernt. Puh was für ein Glück und ich und alle anderen hatten nichts vom Fast-Unfallhergang mitbekommen. Ich vermute mal, dass der Truck rechts Vorfahrt gehabt hätte und unser Busfahrer ohne Rücksicht gerade aus gefahren ist. So viel zu Verkehr in Vietnam…

Zurück im Hotel musste ich erst einmal ewig auf mein eingelagertes Gepäck warten… An Sightseeing habe ich nicht allzu viel gemacht, ich bin vor allem viel durch die Gassen gelaufen und habe Händler und Verkehr beobachtet. Interessant ist, dass die Straßennamen Hanoi auch Programm sind, so gibt es eine Schuhstraße, eine Textilstraße, eine Metallwarenstraße usw. … Dort reihen sich dann tatsächlich Geschäfte, die ähnliche Produkte verkaufen.
Das Wasserpuppentheater ist von Touristen überlaufen, aber durchaus sehenswert. Es ist zu bewundern, dass die Puppenspieler hüfthoch im Wasser stehen und hinter einem Vorhang ihre Puppen zum Leben erwecken. Die Puppen sind an einem Bambusstock befestigt, der allerdings unter Wasser verborgen bleibt, so scheinen sich die Puppen frei im Wasser zu bewegen.

Wirklich wohlgefühlt habe ich mich in Hanoi nicht, dazu war mir der Verkehr zu chaotisch, die Luft zu verpestet, manche Händler zu schlitzohrig und es sind jeden Tag unerfreuliche Sachen vorgefallen, die eigentlich nicht hätten passieren sollen. Ich kann aber nicht leugnen, dass Hanoi mit seinen Gassen und tausenden Geschäften seinen ganz eigenen Charme ausstrahlt und man immer neues entdeckt.

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