Australien Teil 1: Sydney und die Blue Mountains

Nach 8h Nachtflug stieg ich dank eisiger Lüftung mit erfrorenen und tauben Füßen in Sydney aus. Da uns an Board wiederholt gesagt wurde, dass man jegliche Art von Lebensmitteln deklarieren muss, bin ich zum ersten Mal brav durch den Zoll marschiert, um mein Kaffeepulver, meine Tomatensoße und Oreos zu präsentieren. Der Zoll war dann doch viel gelassener als in manch anderen Ländern, ich zählte auf was ich dabei hatte und wurde ohne Überprüfung durchgewunken – scheint wohl nur bezüglich verderblicher Waren streng zu sein…
Kaum angekommen, traf mich gleich der Schlag was die Preise angeht: ich sollte 14,50$ für das Bahnticket in die Stadt zahlen für vielleicht 15 Minuten Fahrt…
Mein Hostel lag zum Glück direkt an der Central Station und ich musste nicht weit laufen. Ich kam auf insgesamt gut 35kg Gepäck! Die Tomatensoße und die Sonnencreme sind daran schuld! Ehrlich!
Meine erste Erkundungstour führte mich zum Supermarkt, um Proviant für die nächste Woche einzukaufen. Es war eine richtige Offenbarung in einem normalen, westlichen Supermarkt einzukaufen, so dass ein richtiger Großeinkauf daraus wurde!
Ich werde in Australien in Jugendherbergen und Hostels wohnen, die alle mit einer Küche ausgestattet sind. Australien ist deutlich teurer als Deutschland und der Wechselkurs steht nicht gerade zu meinen Gunsten… So bietet es sich an zu kochen und ich habe mich nach der Zeit in Asien so richtig auf Spaghettis gefreut!

Die nächsten Tage ging es auf Erkundungstour: um einen Überblick über die Stadt zu bekommen, fing ich mit einer Stadtrundfahrt an. Machte halt bei der Harbour Bridge, schlenderte durch the Rocks, ging in Parks spazieren und machte eine Opernführung. Hier bekamen wir Informationen zur Entstehungsgeschichte: So wurde die Gestaltung der Oper international ausgeschrieben, doch der Entwurf der Oper, wie sie heute ist, wurde anfänglich verworfen und kam nur per Zufall wieder ins Rennen… Die Oper besteht aus 3 Theatersälen und 2 Konzertsälen und wir hatten die Möglichkeit einige davon in Augenschein zu nehmen. In einem der Theater war auf der Bühne die Schaltzentrale für das Neujahrsfeuerwerk aufgebaut!
Sydney ist eine schöne Stadt und ich habe mich sofort wohlgefühlt. Die Stadtlandschaft besticht durch alte, geschichtsträchtige Gebäude in direkter Nachbarschaft zu imposanten Wolkenkratzer. Die Harbour Bridge wirkt sehr beeindruckend und dominiert zusammen mit der Oper den Hafen.
Per Fähre gelangt man schnell zu einem der vielen Strände und Stadtbewohner suchen hier Zuflucht vor dem stressigen Alltag.

Am 30. Dezember hatte ich eine Tour zu den Blue Mountains gebucht. Früh morgens ging es per Bus los und die Organisation war sehr chaotisch… Der Busfahrer war freundlich und kommentierte gelegentlich die Landschaft, wozu da noch ein Tourguide anwesend war, ist mir rätselhaft. Zudem dieser keinerlei Informationen lieferte und auch große Verwirrung stiftete… In dem Bus saßen Leute, die unterschiedliche Touren gebucht hatten. Ich sollte an den Wasserfällen wandern, dann gab es wiederum andere, die die Seilbahn gebucht hatten  und welche die kein Mittagessen inklusive hatten. Zunächst wurden die Personen, die wandern sollten, namentlich aufgerufen, ich aber nicht! Ich bin dennoch nach vorne, nannte meinen Namen, und der Tourguide meinte ich solle mich wieder setzten, ich sei nicht in dieser Gruppe dabei… Komisch… Eine halbe Stunde später, als alle anderen ihre Tickets und Anweisungen bekommen hatten, blieben 3 Leute über. Man hatte uns scheinbar vergessen… So lernte ich Cathleen kennen, mit der ich dann den restlichen Tag verbrachte und auch Sylvester zusammen feierte. Wie sich herausstellte, wohnte sie im selben Hostel wie ich und ich hatte ihr an dem morgen auch die Tür aufgehalten, war aber wohl zu verpeilt um mir ihr Gesicht zu merken 😉

Jedenfalls stellte sich daraufhin heraus, dass wir in der Wandergruppe waren und schon vor einer halben Stunde hätten loslaufen sollen, wurden wir von diesem unfähigen Tourguide auch noch angeschnauzt! Na danke auch, ich hatte ihn ja sogar anfänglich darauf hingewiesen…

Somit hatten wir eine halbe Stunde weniger Zeit für unsere Wanderung und mussten den Pfad zum Wasserfall quasi hinunter spurten und die Seilbahn wieder hinauf nehmen und dafür auch noch 11$ bezahlen. Der Pfad war total glitschig und ausrutschen vorprogrammiert… Und später wollte uns der Tourguide auch noch um unser Mittagessen bringen, behauptete, dass sei bei uns nicht inbegriffen…

Weiter gings zum Echopunkt, wieder ohne jegliche Informationen, und dem Pflichtfoto bei den 3 Sisters. Auf der Fahrt zurück machten wir halt an einem Wildlife Park und es hieß, dass man einen Koala knuddeln darf und ein Foto davon bekommt… Naja… Der Park war ganz nett, viele einheimische Tiere in viel zu engen Gehegen, ein paar freilaufende Kängurus und  die Koala-Foto-Abfertigungsschlange. Man stelle sich vor: es gab 4 Reihen wo man sich Supermarktskasse mäßig  anstellen konnte, als man dann schließlich an die Reihe kam, war dort ein Koala, der sich an einen Ast klammerte, total unmotiviert war und schlief… Kann ich ihm auch nicht verdenken! Aus dem Knuddeln wurde nicht viel, das Foto war wenigstens umsonst, aber nicht wirklich schön anzuschauen!

Absolutes Highlight der Tour war dann die Schiffsfahrt zurück, durch Sydney Harbour und an der Oper vorbei zur Endstation Cirular Quay. Schon traurig, wenn man eine Blue Mountains Tour bucht und die Schiffsfahrt das Beste daran ist…

Aber so lernte ich wenigsten meine Sylvestergesellschaft kennen: Cathleen und ihre Mitreisende Sophia und meine zwei Mitbewohnerinnen, Selma + Mama Ulrike, ebenfalls Deutsche. Am Abend heckten wir dann unsere Pläne aus und entschieden uns 50$ Eintritt zu zahlen, um einen sicheren Platz und eine gute Sicht von „Bradley’s Head“ zu haben. Sylvester in Sydney ist so beliebt, dass sich die Stadt einen Bevölkerungsboom erlebt und die Stadt nur aus Touristen zu bestehen scheint –  alle Einheimischen, die es sich erlauben können, sind wohl geflohen 😉 Und jeder Tourist möchte das Feuerwerk sehen, dementsprechend muss man früh, sehr früh aufstehen oder sogar schon die Nacht durchcampen um einen guten Platz zu ergattern. Kein Witz! Das Feuerwerk findet im Hafen statt und das Gebiet darum ist in Zonen eingeteilt, in die nur eine bestimmte Zahl an Leute gelassen wird… So gesehen heißt es sehr früh aufstehen, den ganzen Tag warten oder zahlen und seine Ruhe haben… Die Option Glück haben gibt es zwar auch noch, jedoch eher mit Hilfe von Insidertipps und eben viel Glück.

So haben wir also gezahlt und dafür ausschlafen können 😉 Nachmittags ging es dann schon los, immerhin mussten wir nur noch mit 5000 Leuten um einen Platz rangeln und nicht mehr mit Millionen… Wir hatten Glück und hatten ein ganz nettes Fleckchen gefunden, ich saß dann ewig mit Regenschirm (lässt sich gut als Sonnenschirm umfunktionieren) in den Felsen und wartete und wartete… Aber nur 8h oder so 😉

Mit meiner Ü30 Runde + 60ig Jährigen, die schnell nur noch Mama gerufen wurde, hatte ich als Küken viel Spaß und die Zeit verging recht schnell. Zwischendurch mussten wir unseren guten Platz etwas verteidigen, aber es zahlte sich aus! Der Sonnenuntergang war richtig schön und dann ging es auch schon Schalg auf Schlag, um 21h gab es das Kinderfeuerwerk, zwischendurch viel Unterhaltung mit Lichtershow, Wasserwerfern und Kunstfliegern und Mitternacht war dann nicht mehr fern. Das Feuerwerk war toll – was soll ich denn auch sonst schreiben? Und der Eintritt war sein Geld wert, so hatte ich einen freien Blick über den gesamten Hafen und konnte schöne Bilder machen und das Geländer sogar als Stativ zweckentfremden.

Aber dennoch hat mir etwas gefehlt, es gab keinen Countdown, keinen Sekt zum Anstoßen (Alkohol war im Park verboten) und das Feuerwerk ging auch nur 13 Minuten… Da wird bei uns zuhause doch bedeutend mehr geknallt 😉 Die Rückfahrt war gut organisiert, es stand schon eine ganzen Schlange an Bussen bereit, um die Leute wieder nach Hause zu bekommen… Die Hinfahrt dauert ca. 30 Minuten, die Rückfahrt bestimmt 2 Stunden! Der Verkehr war einfach nur stockend! Ich schielte im Bus ab und zu auf mein GPS um, dann festzustellen, dass wir es wieder 50 Meter vorwärts geschafft hatten. So wurde es zum Running Gag unsere Geschwindigkeit zu kommentieren, 5m/min und ich hielt alle auf dem Laufenden, wenn wir es wieder einen Block weiter geschafft hatten! Zwischendurch bemerkte einer, dass wir jetzt schon die meiste Zeit des Jahres im Bus säßen!

Gefühlte 3 Jahre später erreichten wir unser Hostel und ich war erstmal tot, noch feiern gehen kam nicht infrage, es war inzwischen auch schon 4h morgens. Es gab strenge Ausweiskontrollen vor dem Hostel, es sollten nur Gäste eingelassen werden… Es war für mich im August schon schwierig gewesen ein Hostel zu finden, dass über Sylvester noch buchbar war – daher wundert es nicht, dass einige, die nicht rechtzeitig reserviert hatten, veruchten sich einzumogeln… Die Ausweiskontrolle war für mich unproblematisch, aber einige standen nicht auf der Liste und mussten ewig harren bis jemand eine aktuellere Liste brachte und ihnen dann doch Einlass gewährte… Aber auch Leute, die keine Gäste waren, wurden teilweise eingelassen… Versteh das mal einer 😉 Jedenfalls wurden die wartenden Leute nicht weniger…

Am nächsten Tag traf ich mich nach einigen Missverständnissen mit Joscha, einem Kommilitonen aus Stuttgart, der hier gerade sein Praxissemester absolviert. Ich hatte erst durch einen Facebook-Neujahrspost erfahren, dass er hier in Sydney war – wie klein die Welt manchmal ist. War jedenfalls schön wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen und sich über seine Erlebnisse auszutauschen.

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