Vietnam Teil 1: Hanoi und Halong Bay

Mein Wecker klingelte mal wieder viel zu früh. Noch im Dunklen ging es zum Flughafen, der Flieger sollte um 7h abheben. Ich hatte am Tag davor die Nachricht bekommen, dass mein Flug mit Vietnam Airlines gestrichen sei und ich wurde auf Cambodia Angkor Air umgebucht… Welch eine Freude, hatte ich doch Vietnam Airlines ausgewählt um nicht mit einer dubiosen Airline fliegen zu müssen.
Der Flughafen von Siem Reap entpuppte sich als winzig, 4 Gates, total schnuckelig. Beim Einchecken wurde mir erzählt, dass es nur 22 Passagiere gibt, in einem Airbus A321, der knapp 200 Leuten Platz bietet. Ich hatte also extrem viel Platz und den halben Flieger für mich. Von Cambodia Angkor Air war ich positiv überrascht, modernes, neues Flugzeug, guter Service.

Nach 1h30 landeten wir in Hanoi, der Hauptstadt Vietnams. Ich hatte mein Visum wieder online beantragt um nicht zur Botschaft zu müssen, wäre im Nachhinein vielleicht doch schneller gegangen…
Ich musste zunächst meinen Pass mit dem Antrag abgeben und dann hieß es warten. Die Schlange an der Abholstelle wurde länger und länger und war schließlich gut 50 bis 100 Meter lang. Es ging keinen Schritt vorwärts und das eine geschlagene 3/4 Stunde lang. Wie sich herausstellte, musste das Visum erst noch von einem Beamten unterschrieben werden und der hatte es offensichtlich vorgezogen genüsslich Kaffeepause zu machen. Eine Ewigkeit später und 25 USD ärmer wollte ich dann mein Gepäck in Empfang nehmen. Tjao, außer dass unser Flug so winzig war, dass es offenbar nicht die Mühe wert war, ihn anzuschreiben…
Ich fragte mich also durch und wartete an dem Band wo mein Gepäck kommen sollte… Ich wartete und wartete und es kam nichts. Die anderen ausgeschriebenen Flüge hatten schon längst ihr Gepäck und mich erfasste wieder dieses schlimme Gefühl, dass meine Sachen weg sein könnten. Ich erkannte allerdings andere Passagiere meines Fluges und gemeinsam harrten wir noch fast eine Stunde aus.
Denkbar ungünstiger Start und leider wurde es auch nicht viel besser…

Ich hatte über das Hotel einen Fahrer gebucht um nicht in die Fänge der Taxi-Mafia zu geraten. Dieses Ärgernis ist nicht zu unterschätzen, ich habe später zwei Backpackerinnen kennen gelernt, denen das tatsächlich passiert ist. Sie wurden von ihrem Taxifahrer bedroht und um ihr ganzes Geld erpresst…
Deswegen hatte ich um auf Nummer sicher zu gehen einen Fahrer vom Hotel gebucht, die Fahrt verlief reibungslos, allerdings war der gute Herr extrem mürrisch und unfreundlich und hat keine Anstalten gemacht mir mit meinem Gepäck zu helfen.

Im Hotel angekommen, hieß es erst einmal warten. Es hieß, das Zimmer werde für mich fertig gemacht, während dessen bekam ich kostenlos Frühstück und wurde über Touren nach Halong Bay informiert. Übernächtigt wie ich war, wünschte ich mir nichts Sehnlicheres als ein Bett. Doch dieser Wunsch wurde mir nicht erfüllt, mein Zimmer war immer noch nicht fertig und man bot mir an in einem anderen Hotel derselben Kette unterzukommen. Ich war leicht skeptisch, aber das Argument, dass ich für den selben Preis ein Upgrade bekomme, die Zimmer größer seien und das Hotel einen Spabereich hätte, zählten dann doch.

Gut 5 Stunden nach der Landung konnte ich endlich in mein Bett sinken und etwas Schlaf nachholen. Und tatsächlich war mein Zimmer wie versprochen sehr groß und komfortabel.

Hanoi wäre eigentlich eine charmante Stadt wären da nicht der chaotische Verkehr und einige unfreundliche Zeitgenossen.
In Vietnam herrscht für mich ungewohnter Rechtsverkehr, in der Realität wird da gefahren wo Platz ist. Motorräder schlängeln sich an allen Seiten vorbei, Fußgängerwege dienen als Parkplatz oder Ladenfläche. Als Fußgänger ist man so mehr oder weniger gezwungen auf der Straße zu laufen. Verkehrsregeln scheint es hier ebenfalls keine zu geben – rechts vor links? Noch nie gehört! Kreuzungen werden so von allen 4 Seiten attackiert, in der Mitte bildet sich ein Knäul, das sich je nach Verkehrsaufkommen erst Minuten später wieder entwindet…
Und dazwischen Fußgänger, wer stehen bleibt kann warten. Die einzige Möglichkeit, die bleibt um über die Straße zu kommen, ist sich mutig in das Geschehen zu stürzen und hoffen nicht angefahren zu werden. Die Fahrer scheinen allerdings sehr geübt darin zu sein Fußgängern auszuweichen, also kommt man relativ ungeschoren über die Straße. Berufsverkehr um 17h ist wohl mit der schlimmste, den ich jemals erlebt habe. Da viele Gehwege unpassierbar sind, läuft man auf der Straße, wo sich unfassbar viele Motorräder kompakt auf kleinstem Raum zusammendrängen und verkeilen. Als Fußgänger steht man gequetscht in einem Freiraum an der Seite und wird manchmal gestreift. Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass bei diesem Chaos unheimlich viel gehupt wird, es allgemein sehr laut ist und die ganze Situation extrem nervenaufreibend ist. Einen gemütlichen Spaziergang zu machen ist so quasi unmöglich und etwas verträumt durch die Gassen zu laufen Selbstmord.
Als Tourist wird man selbstverständlich noch von jedem Taxi angehupt, jedem Fahrradtaxi angesprochen und von fliegenden Händlern belästigt, die in ihren Wägen und Körben alles von Obst bis Haushaltswaren verkaufen. Ein paar Bananen kosten dann unverschämte 5 Euro, auf einen normalen Preis runterhandeln gestaltet sich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse zum Ding der Unmöglichkeit. Einige Passanten und Verkäufer schnauzen einen an, falls sie merken, dass sie ungewolltes Beiwerk eines meiner vielen Fotos werden.

Ich habe mich in dieser Stadt nicht sehr willkommen gefühlt und am laufenden Band negative Erlebnisse gehabt, seien es Verkehrsrüpel oder Verkäufer, die versuchen einen zu betrügen oder schlicht unfähige Bedienungen.
Ich war am dritten Abend essen, lernte dort eine andere nette deutsche Bachpackerin kennen. Ich bekam zuerst das falsche Essen, sie hatte auf ihrer Rechnung ein Bier, das sie nie bestellt hatte und ich bekam komplett die falsche Rechnung. Vom Nachbartisch kamen auch Reklamationen…
Beim Briefmarkenkauf bekam ich zu wenige marken… Mir wurde Geld falsch herausgegeben…
Und da solche Sachen absolut jeden Tag passiert sind, kann ich nicht glauben, dass es sich um Versehen handelt, vielmehr um gezielte Abzocke.

Von Hanoi habe ich einen 2D1N Ausflug zur Halong Bucht gemacht, die UNESCO Erbe ist. Ich hatte vom Hotel eine Tour empfohlen bekommen, die eher junge Backpacker zur Zielgruppe hatte – klang gut. Wie sich herausstellte war unser Schiff das Party Boat und die meisten Passagiere mehr an Alkohol als an Kultur interessiert. Ich wurde mit dem Partyvan vom Hotel abgeholt und die Fahrt dauerte gut 3h30, was mal wieder auf die schlechten Straßen in Asien zurückzuführen ist. Der Guide versuchte das Partyvolk bei Laune zu halten und ich ahnte jetzt schon, dass die Tour anstrengend werden würde und ich lieber mit einem Rentnerschiff hätten vorlieb nehmen sollen. Auf dem Schiff angekommen gab es dann von einigen Wasserstoffperoxid-Barbie-Püppchen erstaunte Ausrufe: „Oh wow, hier sieht die Landschaft ja großartig aus! Und es gibt ja viel mehr Felsen, die aus dem Wasser ragen, als auf dem Werbefoto, da waren es ja nur 2…“ Die meisten schienen keine Ahnung zu haben, was es mit der Halong Bay auf sich hat und waren nur zum Feiern gekommen. Großartig! Zum Glück lernte ich ein französisches Pärchen kennen, das wie ich auch mehr an Kultur interessiert war und denen das Hotel, ähnlich wie mir, verschwiegen hatte, dass es sich um eine Party handelt.
Später ging es eine Höhle besichtigen, die super kitschig beleuchtet war und nur so von Touristen überlaufen war.
Der nächste Programmpunkt sah vor zum Sonnenuntergang mit kostenlosem Wein anzustoßen. Ich wollte aber viel eher den Sonnenuntergang genießen und tolle Bilder machen! Wein trinken konnte ich immer noch später und so ließ ich mich von meinem Vorhaben nicht abbringen… Der Rotwein war im Übrigen der widerlichste, den ich jemals getrunken habe…


Nach dem Abendessen gab es dann ganz viel Party, Karaoke und Alkoholleichen, die den Weg nicht mehr zurück ins Bett gefunden haben. Am nächsten Morgen wurde dann die Getränkestrichliste ausgewertet und wir zur Kasse gebeten, einige haben dann vehement protestiert und geleugnet jemals so viel getrunken zu haben. Herrlich 🙂
Das Tourprogramm sah nun Schwimmen, Kajakfahren oder Trekking vor. Ich war mal wieder genervt, dass andere über meinen Tagesablauf bestimmen wollten. Wer mal eine Weile alleine verreist und selber über seinen Tag bestimmt hat, weiß wie schwer es fällt zu einer vorgegebenen Zeit aufstehen, Essen zu müssen und diversen Aktivitäten nachgehen zu müssen.
Ich wäre gerne Kajak gefahren, aber das Wetter hatte sich über Nacht schlagartig geändert und wir hatten statt der 25 Grad vom Vortag vielleicht noch 15. Für mich eindeutig zu kalt um auch nur in Berührung mit dem Wasser zu kommen und so zog ich es vor dick eingepackt auf dem Deck zu bleiben und noch einige Fotos von den nebelumhüllten Felsen zu machen.
Später lernten wir Frühlingsrollen zu machen, die es dann zum Mittagessen gab.

Die Rückfahrt mit dem Minibus dauerte ewig, einige Stunden länger als die Hinfahrt. Da zwei Personen mehr zurückfuhren war es extrem eng und unbequem. Viele waren verkartet, einer musste Spucken und hat es zum Glück noch rechtzeitig hinausgeschafft.
Schlagartig wurden wir alle wach, als ein Hupkonzert um uns ertönte und Reifen quietschten. Wir befanden uns an einer Kreuzung und rechts von uns war ein Truck stehen geblieben, keine 20 cm von meiner Fensterscheibe entfernt. Puh was für ein Glück und ich und alle anderen hatten nichts vom Fast-Unfallhergang mitbekommen. Ich vermute mal, dass der Truck rechts Vorfahrt gehabt hätte und unser Busfahrer ohne Rücksicht gerade aus gefahren ist. So viel zu Verkehr in Vietnam…

Zurück im Hotel musste ich erst einmal ewig auf mein eingelagertes Gepäck warten… An Sightseeing habe ich nicht allzu viel gemacht, ich bin vor allem viel durch die Gassen gelaufen und habe Händler und Verkehr beobachtet. Interessant ist, dass die Straßennamen Hanoi auch Programm sind, so gibt es eine Schuhstraße, eine Textilstraße, eine Metallwarenstraße usw. … Dort reihen sich dann tatsächlich Geschäfte, die ähnliche Produkte verkaufen.
Das Wasserpuppentheater ist von Touristen überlaufen, aber durchaus sehenswert. Es ist zu bewundern, dass die Puppenspieler hüfthoch im Wasser stehen und hinter einem Vorhang ihre Puppen zum Leben erwecken. Die Puppen sind an einem Bambusstock befestigt, der allerdings unter Wasser verborgen bleibt, so scheinen sich die Puppen frei im Wasser zu bewegen.

Wirklich wohlgefühlt habe ich mich in Hanoi nicht, dazu war mir der Verkehr zu chaotisch, die Luft zu verpestet, manche Händler zu schlitzohrig und es sind jeden Tag unerfreuliche Sachen vorgefallen, die eigentlich nicht hätten passieren sollen. Ich kann aber nicht leugnen, dass Hanoi mit seinen Gassen und tausenden Geschäften seinen ganz eigenen Charme ausstrahlt und man immer neues entdeckt.

Kambodscha: zwischen Tempeln und Armut

Nachdem ich in Singapur mein Zimmer räumen musste und mein Hab und Gut eingelagert hatte, ging es am nächsten Morgen zum Flughafen. Es war leider eine ganz schlechte Idee am Vorabend noch den restlichen Whiskey zu trinken, es war allerdings nach einem Semester nur noch eine daumenbreite Bodendecke vorhanden. Doch mit nur 3h Schlaf fühlte ich mich nicht im Stande 2 Stunden lang mit den Öffentlichen zum Flughafen zu fahren – ja so groß ist Singapur – ich war so verpeilt und übermüdet, dass ich bestimmt eingeschlafen wäre oder wo anders rausgekommen wäre.
So habe ich mir ein Taxi geleistet und bin pünktlich am Flughafen angekommen. Da mein Visum in einigen Tagen abläuft, musste ich meinen Student Pass abgeben und habe so meinen ersten singapurischen  Ausreisestempel bekommen. Vom Flug habe ich mal wieder nicht viel mitbekommen, da ich lieber Schlaf nachgeholt habe 😉

Beim Anflug auf Phnom Penh zeigte sich ein sehr ländliches Bild: Reisfelder soweit das Auge reicht, viel grün, aber nicht ganz so fruchtbar wie z.B. in Java und mittendrin eine kleine Stadt – Phnom Penh.

Die Einwanderung war total unproblematisch, ich hatte im Vorfeld ein eVisum beantragt, um nicht stundenlang in einer kambodschanischen Botschaft für ein Visum anstehen zu müssen. In Kambodscha werden einem Abdrücke von allen 10 Fingern genommen, na danke, da fühlt man sich ja gleich wie ein Verbrecher. In den meisten Ländern beschränkt es sich auf den Abdruck der Daumen oder Zeigefinger.

Phnom Penh

Auf dem Weg zum Hotel bin ich von der Hauptstadt Kambodschas positiv überrascht worden: ein ziemlich sauberes Stadtbild, schöne Häuser, gut ausgebaute Straßen und gar nicht so viel Armut und Dreck wie ich erwartet hatte. Ich hatte mich schon auf Wellblechhütten und Schotterstraßen eingestellt, nachdem ich viel Armut auf Java gesehen hatte, habe ich hier noch schlimmeres erwartet.
Vor dem Palast hatte sich eine hunderte Meter lange Schlange gebildet, zum größten Teil aus orangefarben gekleideten Mönchen, die anstanden um dem verstorbenen König, die letzte Ehre zu erweisen. Zu schade, dass ich meine Kamera nicht parat hatte, als ich später noch einmal zu diesem Ort zurückkehrte hatte sich die Schlange aufgelöst und auf dem Platz wachten und beteten Menschen, Kinder spielten und Händler verkauften Luftballons.

zentraler Platz

zentraler Platz

Das Hotel entpuppte sich als Luxushotel, mit großem Zimmer mit Ausblick über die Stadt und einem Pool auf dem Dach. Da ich mir das Zimmer mit Jan, einem Kommilitonen aus Stuttgart, der ebenfalls in Singapur Auslandssemester macht, teile, ist es sogar erschwinglich. Er war am Ende seiner Rundreise durch Vietnam und Kambodscha angelangt und sollte am Abend mit dem Bus aus Siem Reap kommen. So hatte ich noch den ganzen Tag Zeit um die Stadt zu erkunden.

Wie immer ging es zu Fuß los, da man so einen unverfälschten Eindruck bekommt, die Stadt auch riecht und fühlt und nicht hinter einer Glasscheibe daran vorbeirast. Ich kam in den Genuss wieder Gehwege benutzen zu können, die auf Java meist nicht vorhanden oder schlicht zugeparkt waren. Es war angenehm warm, aber nicht so schwül wie in Singapur. In unmittelbarer Nähe zum Hotel befand sich eine schöne Parkanlage, Kinder spielten im Gras, Händler boten ihre Waren an, aber es offenbarte sich auch viel Armut und ich wurde nach Geld gefragt, an jeder Straßenecke Tuktukfahrer, die auf Kundschaft hoffen.
Ich schlenderte durch die Straßen, vorbei an herrlichen Tempeln und prunkvollen Regierungsgebäuden, kleinen, schnuckligen Cafés, aber auch heruntergekommenen Häusern und Menschen die auf der Straße kochen, leben und schlafen. Der Spaß am Touristenmarathon, so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich zu sehen, ist mir schon längst abhandengekommen. Viel interessanter ist es Menschen zu beobachten und ihre Lebensweise kennen zu lernen. Allerdings habe ich mir die Silberpagode angeschaut, ich war ziellos dorthin gelangt, hatte Zeit und sie sah prächtig aus, allerdings war das Eintrittsgeld auch für hiesige Verhältnisse saftig.

Am Abend kam Jan an und wir hatten uns beim Essen viel von unseren Reisen zu erzählen. Das Essen war traditionell Khmer und schmeckte ausgezeichnet, ich war allerdings noch etwas vorsichtig, da ich mir als Andenken aus Indonesien mal wieder eine Magen-Darm-Grippe eingefangen hatte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einigem Plantschen im Pool, ging es am nächsten Tag auf Erkundungstour im Tuktuk. Wir wollten so viel wie möglich von der Stadt sehen, ihre verschiedenen Facetten kennen lernen ohne dabei das typische Touriprogramm zu machen. Und unser Fahrer war klasse, fuhr uns durch die Stadt, in kleine, abgelegene Gassen, wo sich niemals Touristen her verirren würden. Wir machten aber auch Station am russischen Markt um noch einige Andenken zu kaufen und am Wat Phnom. Zu den Killing Fields, die die schrecklichen Verbrechen der Roten Khmer dokumentieren, haben wir es zeitlich nicht mehr geschafft.

Den Tag haben wir mit einer Massage von Blinden ausklingen lassen, die sich so ihren Lebensunterhalt verdienen. Tolles Programm, dass ich gerne unterstütze und die Massage war wirklich hervorragend, aber auch beängstigend wenn man in diese Leere Augen blickt, ergreifend wenn man die tastenden Hände spürt und am selben Finger zweimal geknetet wird 😉

Am nächsten Tag ging es für mich weiter mit dem Bus nach Siem Reap, auch liebevoll Templecity genannt. Die Fahrt dauerte gut 6 Stunden für eine Strecke von 300 km, das Tempo war dementsprechend gemütlich, führte teilweise über Schotterpiste, entlang an Reisfeldern, Flüssen und Seen und ließ genug Zeit Bauern bei ihrer Arbeit auf dem Feld zu beobachten oder wie Ochsen über die Straße getrieben werden. Die Sitze im Bus waren für extrem zierliche Personen ausgerichtet, ich hatte weitaus breitere Schultern, aber zum Glück keinen Nebensitzer.

Am Bahnhof wurde ich von einem Tuktukfahrer meines Guesthouses abgeholt und dort dann liebevoll empfangen. Das Guesthouse wird von zwei deutschen geleitet, die super hilfsbereit sind und man sich gleich wie zuhause fühlt. Die beiden zeigten sich überrascht, dass ich schon so früh da war, da der Bus mindestens 6 Stunden, also eigentlich eher 8 braucht und heute tatsächlich nur knapp über 6 gebraucht hatte. Ich wurde sogleich über mögliche Tempeltouren in Angkor informiert und buchte für die nächsten zwei Tage gleich den Tuktkfahrer, der mich auch abgeholt hatte.

Ich startete am nächsten Tag mit der großen Tempeltour, groß nicht etwa weil man die größten Tempel besichtigt, sondern am meisten Strecke zurücklegt (bestimmt 30 km) und eher die Tempel außerhalb besichtigt. Am Eingang gab es eine 3-Tageskarte für schlappe 40 USD, inkl. verpeiltem Schnappschussfotos um die Karte zu personalisieren. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass man in Kambodscha weitestgehend mit USD zahlt, allerdings sind nur Scheine im Umlauf, so dass die Einheimische Währung Riel als Kleingeld gehandhabt wird (1USD= 4000 Riel).

Ich werde bestimmt nicht alle Tempel in allen Einzelheiten beschreiben, es waren 6 an der Zahl. Der erste, Preah Khan, ist bis jetzt mein Favorit, große Anlage mit wenig Touristen, schönen Reliefs, Bäumen, deren Wurzeln sich ihren Weg durch  die Steine bahnen und ich wurde von einer Security gegen etwas Trinkgeld in einen abgesperrten Bereich geführt und hatte nach einer kleinen Kletteraktion über eingestürzte Gänge, einen atemberaubenden Blick vom Dach auf den Tempel. Einer der Tempel war sehr weit außerhalb und nur nach einer halbstündigen Fahrt zu erreichen, die Strecke dorthin war wesentlich interessanter. Hier bekam ich viele einfache Hütten zu sehen, sah das einfache Leben der Menschen, Ochsen und Küche auf der Straße…
Zum Sonnenuntergang ging es hoch auf den Pre Rup, wo eine ganze Horde Touristen gebannt auf das rot gefärbte Farbenspiel warteten.

Was mich an diesem Tag am meisten bewegt hat, waren die Kinder, die den Touristen Souvenirs verkaufen. Es ist wirklich herzzerreißend, wenn 5 bis 10-Jährige Verkaufsargumente wie, „Just 1 Dollar, to go to school, Miss“ gebrauchen. Wie ich dann später herausgefunden habe, gibt es in Kambodscha Schulpflicht und auch kostenlose Schulen. Die Kinder müssen morgens oder abends zur Schule und haben so Zeit als Händler zu arbeiten. Allerdings bestechen wohl einige Eltern auch die Lehrer, damit die Kinder nicht in die Schule müssen und stattdessen Geld verdienen können, was wohl zur Folge hat, dass sie dennoch versetzt werden und einen Abschluss erhalten, aber sehr schlecht lesen und schreiben können. Wenn die Kinder mit gebrochener Stimme hinter einem herlaufen und einen anflehen etwas zu kaufen, ist es unendlich schwierig NEIN zu sagen. Einige Sachen wie Postkarten oder Früchte waren mir auch willkommen, aber ich brauche nun mal nicht jeden Ramsch. Gerne hätte ich auch hier und da mal etwas Geld verschenk, aber es waren nun mal Scharen an Kinder unterwegs, da wäre ich hinterher selbst eine arme Frau gewesen… Ich habe dann angefangen Kekse zu verschenken, die ich zufälligerweise dabei hatte und habe so einige Lächeln in  Gesichter gezaubert. Ich habe mich dann später im Supermarkt mit noch mehr Keksen ausgerüstet und dann sogleich auf der Straße eine Frau mit 2 Kindern gesehen, die im Müll nach etwas essbaren gesucht hat… Meine Taktik ging auf, ich wurde meine Kekse los, habe sie allerdings auch an Kinder verschenkt, die in Siem Reap am Straßenrand saßen und gebettelt haben.

Siem Reap ist deutlich ländlicher als Phnom Penh und total auf die Touristen ausgelegt, Hotels mit kitschiger, blinkender Weihnachtsdekoration reihen sich einander, unzählige Bars und Restaurants laden zum Verweilen ein und  Massage gibt es ab einem Dollar zu haben. Das Flair am Old Market hat mich stark an Südfrankreich erinnert mit seinen kleinen Geschäften und Straßenverkäufern.
So habe ich mir auf der Straße erst 30min Fußmassage für 2 USD gegönnt, der Junge hat mich dann aber mehr zugelabert und ausgefragt, statt massiert – die Massage war dann auch mehr eincremen als kneten… Etwas klüger bin ich dann für die Körpermassage in ein edles Spa und habe einen Volltreffer gelandet, ich hatte dort die wohl beste Massage 🙂 Ich war so begeistert, dass ich am nächsten Tag gleich nochmal hin bin, 10 USD für eine h, zwar etwas teurer als auf der Straße, aber dafür unglaublich entspannend und jeden Cent wert.

Um 4h30 klingelte mein Wecker, pünktlich zur nächsten Tempeltour die mit dem Sonnenaufgang bei Angkor Wat beginnt. Ich hatte schon böses geahnt, Heerscharen an Tuktuks und Bussen fuhren an mir vorbei und es wimmelte vor Ort nur so von Touristen, die sich vor dem See versammelt hatten, um so das beste Motiv vor die Linse zu bekommen. Es war sehr lustig zu beobachten, wie Besitzer einer Billigknipse eifrig drauflosblitzten und versuchten mit den Bildern einer Spiegelreflex auf Stativ mit langer Belichtungszeit mitzuhalten und erst recht grausame, meist schwarze Ergebnisse bekamen…

Ich war total übermüdet und dementsprechend nicht sehr motiviert noch tausende an Tempeln anzuschauen. Sofort nach Sonnenaufgang ging es zum nächsten Tempel um den Scharen an Pauschaltouristen in Riesenbussen zu entkommen. Auf dem Parkplatz vor Angkor Wat standen ungelogen mindestens 50 große Busse. Pauschalreisende haben meist nur Zeit für die Hauptempel, so war ich am Tag davor keinen Heerscharen an Koreanern und Russen in die Arme geloffen. Um den Massen zu entfliehen, sollte es also erst später wieder zum Tempel zurückgehen um diesen dann genauer unter die Lupe zu nehmen. Zunächst ging es zum Ta Phrom, dem Drehort von Tomb Raider, aber meine Begeisterung hielt sich wahrlich in Grenzen, als ich dann noch in eine Gruppe Russen geraten bin, war meine Laune am Tiefpunkt. Es war allerdings ziemlich lustig zu beobachten, wie manche Teilnehmer diseser Reisegruppe wohl nicht verstanden hatten, dass es auf Tempelbesichtigungstour geht. Ein Mädel hatte wahrlich nur Unterwäsche an und wäre am Strand wohl besser aufgehoben gewesen. Das Highlight des Tages war ein Tempel, versteckt im Wald, der nur über eine holprige Straße voller Schlaglöcher zu erreichen ist. Das Beste daran war, dass ich den Tempel ganz für mich alleine hatte. Kein Kartenkontrolleur vorm Eingang, keine Kinder, keine Touristen. Der Tempel war ziemlich zerfallen und ich musste viel über Steinblöcke klettern und mein Abenteurerherz fing an zu schlagen. Die größen Tempel waren wieder überlaufen und selbst der Bayon und Angkor War machten nicht wirklich Spaß. Irgendwann war es: „Oh noch ein Tempel, toll! Und wieder Steine und Reliefs… WOW…“. Meine Begeisterung war hinüber und nach 9h war ich auch restlos fertig. Für den nächsten Tag stand erst einmal ausschlafen auf dem Programm und am Abend noch ein Sonnenuntergang.

Dieser Sonnenuntergang war wohl der schönste den ich jemals gesehen habe. Nach eine halben Stunde Fahrt entlang Holzhütten und Pfahlbauten und einem halbstündigen Aufstieg zur Ruine des Phnom Krom, hatte ich einen atemberaubenden Blick über eine traumhafte Landschaft, im Vordergrund Reisfelder, im Hintergrund zeichnete sich der riesige Tonle Sap See ab.

Ich hatte eine fantastische Zeit in Kambodscha und habe mich in das Land verliebt, es gibt so viel Armut und Leid, aber auch prachtvolle Tempel die an eine glorreiche Vergangenheit erinnern. Das Leben ist hier so schön einfach und gemütlich, die Leute meist sehr zuvorkommend und klar gibt es hier auch den Touristenzuschlag, aber man wird nicht nach Strich und Faden betrogen. Die 6 Tage, die ich hier verbracht habe, waren viel zu kurz, ich hätte gerne noch viel mehr gesehen, noch andere Städte bereist und noch mehr von dieser friedvollen, ruhigen Atmosphäre aufgesogen.

Abschied

Zwar ist es noch kein endgültiger Abschied von Singapur- ich kehre noch zweimal zurück – aber es fühlt sich schlimm an mein Zuhause aufzugeben. Ich habe gestern mein Zimmer leergeräumt und kam auf erschrekende 75kg! Mal schauen wie ich das nach Deutschland bekomme… 46kg + Hangepäck habe ich frei.

Koffer

Koffer

Das meiste ist nun eingelagert und heute morgen habe ich die Schlüssel abgegeben und gebe meine vertraute Umgebung auf. Die Office Lady drückt mich zum Abschied.
Ich habe mich mittlerweile in Singapur so gut eingelebt, dass es wirklich schwer fällt zu gehen. Ich freue mich aber schon darauf, die nächsten 6 Wochen zu reisen.
Es geht nun nach Kambodscha, danach Vietnam, wo ich zwei Freundinnen aus Deutschland treffe und wir zusammen Weihnachten feiern. Sylvester und die letzten Wochen verbringe ich in Australien.
Ich werde über meine Abenteuer berichten!

Java: Mit dem Zug von West nach Ost

Meine Reise beginnt in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. In diesem Ballungsraum leben knapp 30 Millionen Menschen und Jakarta ist damit die größte Stadt in Südostasien. Ich werde die folgenden 7 Tage bis Surabaya im Osten Javas reisen, eine feste Route habe ich nicht und werde vor Ort sehen wohin mich mein Weg führt.

Jakarta – Tag 1&2

Ich erreiche Jakarta spät abends, der Highway ist ausgesprochen modern, doch als der Weg zum Hotel durch kleine Gassen führt, offenbart sich Jakartas Armut. Überall Müll, Schotter, Menschen, die am Straßenrand Waren verkaufen. Die Straßen sind kärglich beleuchtet, heruntergekommene Häuser, Obdachlose. Mein Hotel liegt an einer viel befahrenen Hauptstraße, das Gebäude sticht heraus, wirkt in seinem frischen Anstrich einladend. Mein Zimmer ist klein, aber sauber, mit eigener Dusche und Frühstück, für 12€ die Nacht. Das mag wenig erscheinen, aber in Indonesien / Asien bekommt man schon für wenige Euros eine Unterkunft. Ich verzichte auf Schlafsaal und Gemeinschaftsbad und gebe gerne ein bisschen mehr aus, und sichere mir so meine Privatsphäre und Komfort.

Am nächsten Morgen erkunde ich die Stadt, lasse mich mit dem Taxi zum Nationaldenkmal fahren. Jakarta ist riesig, die Entfernungen lassen sich kaum zu Fuß zurücklegen, öffentliche Transportmittel gibt es kaum. Es gibt den Transjakartabus, der auf der Straße sogar eine eigene abgetrennte Fahrbahn hat, die ist angesichts des Verkehrschaos und Dauerstaus auch bitter notwendig. Für Touristen sind die Busse jedoch wenig geeignet, genauso wie die Sammeltaxen, ohne Sprachkenntnisse kommt man da nicht weit. Und Taxifahren ist hier nicht teuer, für einige Kilometer quer durch die Innenstadt zahle ich 2-3 Euro. Es geht schleppend voran, ganz Jakarta scheint unterwegs zu sein, eine zweispurige Fahrbahn wird dreispurig gefahren, Motorräder setzten zu waghalsigen Überholmanöver an. Wenn der Verkehr ins Stocken gerät, stürmen Verkäufer auf die Straße, bieten alles zum Verkauf an, was die Fahrer gebrauchen können: Taschentücher, Getränke, kleine Snacks, Nüsse, aber auch Plastikspielzeug, Souvenirs und ich traue meinen Augen nicht, als sich einer mit einem überdimensionierten, aufblasbaren Hasen an den Autos entlangzwängt… Doch auch der nächste balanciert ein aufblasbares Boot über seinem Kopf an mir vorbei!

Schließlich erreiche ich das Nationaldenkmal, ich steige aus dem Taxi aus und sofort stürzen sich zahlreiche Verkäufer auf mich und bieten mir Essen, Getränke, Postkarten, Souvenirs an… Ich werde auch gefragt ob ich ein Transportmittel brauche, obwohl doch offensichtlich ist, dass ich gerade erst angekommen bin. Ich lehne dankend ab und betrete durch das Haupttor die riesige Parkanlage, in deren Mitte das Denkmal thront. Entlang des Weges sitzen Verkäufer, haben ihre Ware vor sich ausgebreitet, kleine Wagen verkaufen Essen, aus einem Transporter werden billige T-Shirts verkauft. Ich sehe keinen einzigen westlichen Besucher und ziehe alle Blicke auf mich, Kinder mustern mich neugierig, Männer starren mich an, Verkäufer umringen mich, halbstarke Jugendliche machen mich an… Nichts Ungewöhnliches in Südostasien, aber in dieser Fülle nervt es gewaltig. Ich bin auch dezent gekleidet, lange Jeans und T-Shirt – Indonesien ist zwar stark muslimisch geprägt, aber lang nicht alle Frauen tragen Kopftücher, ich sehe genug Einheimische in Shorts und Top – daran kann es also nicht liegen. Es ist wohl eher die Tatsache, dass ich eine westliche Frau bin, blond und alleine unterwegs. Einige machen heimlich Fotos von mir, ich werde ständig gefragt woher ich komme und wohin ich gehe – weniger aus wahrem Interesse, die meisten wollen mir etwas verkaufen – ich ignoriere sie.

Als es zu regnen anfängt, zwänge ich mich zusammen mit anderen durch eine Lücke im Zaun, der offizielle Ausgang ist hunderte Meter weiter. Ich besichtige das Nationalmuseum um dem Regen zu entkommen, es beherbergt zahlreiche indonesische Artefakte, Skulpturen, die Tempeln entliehen wurden und erläutert die Schifffahrt und Bedeutung Jakartas (früher Batavia) als Handelsstützpunkt.
Gleich am Anfang lerne ich Hanny kennen und beschließen zusammen das Museum zu erkunden.  Sie stammt aus Jakarta und war eigentlich mit einer Freundin verabredet, die sie in letzter Sekunde versetzt hat und ist glücklich mich als Begleiterin gefunden zu haben. Sie ist schwer beeindruckt, als ich ihr erzähle, dass ich alleine unterwegs bin, bewundert meinen Mut und meint sie habe keine Freundinnen, die so etwas machen würden. Beide mit unserer Spiegelreflex bewaffnet machen wir Bilder, unterhalten uns über Kultur, Jakarta und Java. Sie gibt mir Tipps was sich lohnt anzuschauen und bietet mir an mich zum Bahnhof zu begleiten und mir noch ein gutes Restaurant zu zeigen.

Am Bahnhof frage ich nach einem Zug nach Bogor, einer kleinen Stadt etwas außerhalb von Jakarta, man verweist mich an einen anderen Bahnhof, es gibt hier davon einige. Dort erfahre ich dann, dass die Strecke teilweise eingestürzt ist und der Zugverkehr bis auf weiteres eingestellt ist und empfiehlt mir den Bus zu nehmen. Ich ändere meine Pläne und kaufe stattdessen ein Ticket nach Bandung. Da dieser Bahnhof keine 500m von meinem Hotel entfernt liegt entschließe ich mich zu laufen. Sehr spezieller Spaziergang, einen Gehweg gibt es nicht wirklich, er dient als Motorradstellplatz, Straßenverkäufer breiten sich darauf aus. Neben mir eine sechsspurige Fahrbahn, ich atme Abgase ein, bekomme kaum Luft. Ich laufe meist auf dem Seitenstreifen, da ich auf dem Fußgängerweg nicht richtig laufen kann, überall Müll, der bei dieser Hitze bestialisch stinkt, ich überquere eine Brücke, der Fluss ist braun übersät mit treibendem Abfall, es riecht nach Kloake. Im Hinterhof zwischen zwei Häusern entdecke ich Wellblechhütten, wenig später klafft im Gehweg ein metergroßes und tiefes Loch und gibt Einblick in die Kanalisation. Als ich dann das Hotel erreiche, bin ich erleichtert, schnappe mein Gepäck und nehme das Taxi zum Bahnhof.

Da der Zug erst in 2h losfährt, setzte ich mich in ein Restaurant und bestelle Nasi Goreng Ayam, gebratener Reis mit Hühnchen. Wer mich kennt, weiß dass ich das Tiefkühl-Nasi Goreng von Frosta liebe, aber wie ich hier feststellen musste, ist es wohl eine deutsche Abwandlung. Hier wird normaler Reis, statt Safranreis verwendet, lang nicht so viel Gemüse verwertet und schön fettig angebraten – schmeckt aber auch. Am Tisch neben mir lerne ich Nino und Ika kennen, die Wartezeit vergeht wie im Fluge und wir tauschen Kontaktdaten aus. Mit Nino stehe ich seitdem in regelmäßigem Kontakt, gibt mir Sightseeingtipps, erkundigt sich wie es mir geht.

Jakarta bleibt mir als riesige, laute, dreckige Stadt in Erinnerung, in der ich aber einige sehr nette Menschen kennen gelernt habe.

Zug nach Bandung Tag 2

Ich fahre für umgerechnet 6€ „eksekutiv class“, 1. Klasse mit verstellbaren Sitzen mit viel Beinfreiheit, Klimaanlage und einem TV mit Unterhaltungsprogramm, wohlgemerkt einer für alle. Die Diesellok tuckert langsam vor sich hin, für die Strecke von ca. 120 km braucht der Expresszug über 3h. Mein Wagen wirkt alt und schmuddelig, Personal bieten Snacks und Getränke an, ein Putzmann wischt durch, ich habe das Gefühl, dass der Boden dadurch eher dreckiger wird. Aber die Reise ist angenehm, da es schnell dunkel wird und nichts mehr zu sehen ist, suche ich mir per Smartphone eine Unterkunft heraus.

Zug

Zug

Bandung – Tag 2-4

Wie immer werde ich beim Aussteigen belagert, bietet mir ein Taxi an, ich werde aber zu einem Auto geführt, das so gar nicht nach Taxi aussieht, ich lehne ab.
Wie sich dann herausstellt, ist das Hotel eher außerhalb, aber dafür total schön gelegen mit Garten und riesigen Zimmern. Für den nächsten Tag buche ich einen Fahrer. Der bekannteste Vulkan auf Java ist wohl der Bromo, Touren im Internet kosten 200 USD, so beschließe ich stattdessen lieber in Bandung den Tangkuban Perahu zu erklimmen, ganz entspannt ohne Massentourismus.
Auf Bali wollte ich eigentlich auch schon auf einen Vulkan hoch, doch stattdessen brachte mich der Fahrer in ein Restaurant gegenüber, mit guter Sicht auf den Vulkan und redete sich heraus, am Ende des Tages war ich sehr genervt, weil der Fahrer so gut es ging Sprit sparen wollte.
Doch jetzt sollte es endlich klappen.
Am frühen Morgen geht es los und ich war den ganzen Tag mit Fahrer Denny auf Erkundungstour. Ich möchte zunächst zum Bahnhof um meine Fahrkarte für den nächsten Tag zu kaufen, stattdessen werde ich in einen Supermarkt gebracht, wo man ebenfalls Tickets kaufen kann. Warum wohl? Weil er eine Mitgliedskarte hat und ordentlich Punkte kassiert!
Die Tour führt dann tatsächlich zum Vulkankrater, der mit dem Auto zu erreichen ist. Es regnete schon wieder, einige Touristen (Einheimische) sind hier ebenfalls, das Wetter trüb, Nebel umhüllt den Vulkan, mich fröstelt es leicht. In der Luft hängt Schwefelgeruch, es riecht nach faulen Eiern, im Krater dampft es ein wenig und aus der Ferne erklingt aus Pfeifen „Hänschen klein“.
Weiter geht es zum „Hotspring“, einem Thermalbad mit warmer Wasserquelle. Ich gönne mir zunächst für keine 2€ (in Singapur das 10fache) einen Fishspa, lasse mir die Hornhaut wegknabbern.
Die Thermalquelle betrete ich in langen Badeshorts und T-Shirt, keine Frau läuft hier im Badeanzug, geschweige denn Bikini herum.
An der Besichtigung einer Erdbeerplantage habe ich wenig Interesse, die Pferderanch ist geschlossen und so gibt es erst einmal Mittagessen. Mein Fahrer lädt sich ohne Absprache zum Essen ein, ich reagiere leicht säuerlich – die Fahrt über hat er mich schon zugejammert, dass das Hotel so viel Provision kassieren würde, die Raten für sein Auto so teuer wären. Ich zahle immerhin 45€ für die Tour, in Indonesien eine stolze Summe. Er ist kaum älter als ich, erzählt mir viel über die Tourismusbranche, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass er ein kleines Schlitzohr ist. Ich bin dann sehr überrascht, als er mir anbietet mich am nächsten Tag kostenlos zum Bahnhof zu fahren. Das sei eine Serviceleistung, damit ich ihn weiterempfehle… Naja…
Es geht noch zu Shoppingmalls und Factory Outlets wo es sehr billige (gefälschte) Markenware für wenige Euros zu kaufen gibt, der Kaufrausch bleibt aus, er ist sehr verwundert, dass ich rein gar nichts kaufe. Warum soll ich mir auch offensichtlich falsche Kleidung in schlechter Qualität kaufen?
Es regnet wieder in Strömen, kleine Kinder stehen vor dem Eingang mit Regenschirmen und eskortierten die Kunden zu ihren Autos. Ich habe meinen eigenen Regenschirm mitgebracht. Das geplante Sightseeing fällt ist Wasser, vom Auto aus zeigt mit Denny einige Bauten kultureller Bedeutung.

Mein Zug fährt um 7 in der Frühe und ich bin um 5h 30 mit Denny verabredet. Ich bin sehr misstrauisch ob er mich abholt und tatsächlich ist niemand in Sicht, als ich 15 Minuten später die Rezeption beauftrage mir ein Taxi zu rufen, kommt er doch noch. Für seinen kostenlosen Service, lässt er sich dann noch gern ein gutes Trinkgeld geben.

Zug nach Yogyakarta – Tag 4

Am Bahnhof begegne ich zum ersten Mal anderen Backpackern, die allerdings einen anderen Zug nehmen. Ich fahre wieder 1. Klasse und vor mir liegt eine 7-stündige Zugfahrt für 300 km. Der Zug ist noch schmuddeliger… Den ersten Zug nach Bandung hätte ich noch mit einem versifften Regionalzug der Deutschen Bahn gleichgestellt. Als ich etwas herumlaufe und aufs Klo gehe, stelle ich fest, dass es einer deutschen 3. Klasse entsprechen würde: Hockklo mit Sicht auf die Gleise, einige Außentüren lassen sich nicht mehr schließen und flattern im Fahrtwind, die Verbindung zwischen den Wagons ist auch etwas luftig. Aber die Sitze sind komfortabel und es soll gar nicht so klingen, also ob ich mich beschweren würde: ich hatte mich schon darauf eingestellt auch mal in Zügen mit Holzbänken zu fahren, in denen sich Mensch und Vieh scharen. Da war dieser Zug richtig komfortabel, nur hatte ich mir von der 1. Klasse ein wenig mehr versprochen, ich hatte in einem Blog gelesen, dass die Verpflegung im Preis mitinbegriffen war – hat sich wohl in der Zwischenzeit geändert.

Die 7 Stunden Fahrt vergingen schnell, ich hatte eine sehr nette und gesprächige Nebensitzerin, Emma, die ihre Eltern in Surabaya besucht und so den ganzen Tag im Zug verbringt. Sie erzählt mir von Ihrem Sohn, der in der Türkei studiert und zeigt mir ganz viele Fotos. Ich zeige ihr ebenfalls viele Fotos von meinem Reisen. Ich schaue aus dem Fenster, mache viele Fotos von der Landschaft und den Arbeitern auf den Reisplantagen. Java ist sehr grün, meist rechts und links Reisplantagen, die Eisenbahnstrecke bahnt sich ihren einsamen Weg durch die Landschaft. Ich beobachte die Arbeit auf den Feldern, es wird fleißig gepflügt und angepflanzt, Enten schwimmen im Wasser, hin und wieder ein kleines einfaches Dorf, die Strecke führt an den Wäscheleinen der Bewohner vorbei. Schulkinder laufen auf den Gleisen, Schranken hindern Motos am Weiterfahren. Ich sehe Friedhofe, die zu meiner Verwunderung bunte Gräber haben. Die Landschaft ist wunderschön, aber leider in der Nähe von Dörfern ziemlich zugemüllt. Die Häuser sind sehr einfach, teilweise mit Strohdächern, ich sehe sehr viel Armut, aber viele strahlende Gesichter. Der Zug hält in einigen größeren Städten, Händler kommen zu den Türen geeilt und preisen ihre Waren an.

Yogyakarta – Tag 4-6

Ich komme in Yogyakarta an (wird ausgesprochen: Jog-Jakarta und am Bahnhof auch so geschrieben) und da ich ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs gebucht habe, laufe ich. Beim Verlassen des Bahnhofes werde ich von einer Meute Becakfahrer (Fahradtaxis) empfangen, ich lehne ab. Jede, wirklich jede 5 Meter werde ich angesprochen, ob ich einen Transport möchte, sie scheinen es nicht fassen zu können, dass ich laufen möchte. Es zeigt sich wieder dasselbe Bild wie in Jakarta, die Gehwege sind zugeparkt oder mit Straßenständen zugestellt. Der Verkehr ist hier zum Glück etwas übersichtlicher. An jeder Straßenecke warten Becaks auf Kundschaft, aber viele Fahrer sitzen auch selbst drin und schlafen 😉 Mein Hotel liegt direkt in einem Straßenmarkt, wo frisches Gemüse, Obst und Hühner verkauft werden.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf ziehe ich los, ich laufe und wieder rufen mir alle Fahrer zu. Mein Ziel ist es ein Reisebüro zu finden und für den nächsten Tag einen Ausflug zu den Tempeln von Borobodur und Prambanan zu buchen. Gar nicht so einfach… Es gibt eine „Touristenstraße“, die Malioboro, mit zahlreichen Geschäften und Ständen, die Batik und Souvenirs verkaufen. Ein Reisebüro suche ich hier vergeblich… Ich laufe weiter, schaue mir die Stadt an und merke schnell, dass sie nicht für Fußgänger gemacht ist. Die Kreuzungen sind ziemlich gefährlich, es gibt zwar Ampeln für Autos, aber keine für Fußgänger, der Zebrastreifen ist eindeutig nur Straßendekoration. Man kann sich auch nicht darauf verlassen, dass bei rot alles stehen bleibt. So bleibt nur eine Möglichkeit über die Kreuzungen zu kommen, einen günstigen Augenblick abwarten, bis zum Mittelstreifen rennen und wieder abwarten. Mit Google Maps finde ich dann schließlich eine Straße mit gleich 3 Reisebüros nebeneinander. Im ersten erklärt man mir, dass die Touren erst ab 2 Personen durchgeführt werden und dass es außer mir niemanden gibt. Nebensaison! Im 2. Reisebüro habe ich Glück! Ich buche für ca. 5€ eine Tour, die um 5h morgens startet :S Ich soll auch gleich die Eintrittsgelder mitbezahlen, insgesamt über 30 USD! Ich hake nach und meine, ich hätte im Internet gelesen, dass es deutlich günstiger sei. Dann rückt er raus, dass es einen Studententarif mit 50% Ermäßigung vor Ort gibt. Es gibt auch Vulkantouren, zum erwähnten Bromo. 200 USD wie im Internet sind es zwar nicht, aber dennoch über 50€, inkl. einer 11stündigen Fahrt im Minibus. Die Übernachtung ist zwar inbegriffen, man bekommt aber max. 4h Schlaf. Ich verzichte auf den Stress, ein Vulkan reicht mir.

Ich werde pünktlich um 5h abgeholt, nicht wie erwartet mit einem Bus, sondern mit dem Auto. Außer mir machen nur noch 2 diese Tour – absolute Nebensaison! Und wie sich herausstellt sind wir drei alleinreisende Frauen. Valerie verbringt ihren Jahresurlaub hier, Jenny ist schon seit fast 2 Jahren auf Reisen. Um 6h erreichen wir Borobudur, durch eine Parkanlage gelangt man zum buddhistischen Tempel. Nebel umhüllt dieses prachtvolle Monument, das vage an eine Stufenpyramide erinnert und lässt es mystisch wirken. Es sind kaum Besucher da und so kann man den Anblick genießen. Die Anlage scheint von Vulkanen bewacht zu werden und liegt friedvoll da… Ich erklimme Stufe für Stufe, bewundere Reliefs und Skulpturen und nehme mir viel Zeit, auf der letzten Plattform stehen die berühmten Stupas (erinnern an Glocken). Von hier oben hat man auch einen wundervollen Blick, ich genieße die Stille am frühen Morgen. Der Rückweg führt wie leider so oft, durch einen Touristenmarkt. Allerdings ist es mir rätselhaft, wie die Händler in der Nebensaison bei so wenig Kundschaft ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Weiter geht’s! Wir machen unterwegs noch halt an einem kleinen Tempel mit Kloster.

Kloster

Kloster

Wir erreichen Prambanan zur Mittagszeit, die Sonne glüht und meine Sonnenbrille liegt in Singapur… Hier gibt es die größte hinduistische Tempelanlage Indonesiens zu bewundern, nach einem Erdbeben in 2006 ist allerdings einiges zerstört, einen Tempel darf man nur mit Helm betreten. Verkäufer belästigen mich, es sind einige Einheimische unterwegs, die mal wieder Fotos von mir machen. Eine Mutter zieht ihre Kinder schnell zu mir und möchte Fotos von uns machen. Sie fragt während sie den Auslöser drückt, ob sie mich fotografieren darf –   von so viel Frechheit genervt, entgegne ich ihr schlicht nein, ich drehe mich weg. Ich will gar nicht wissen wie sich Promis fühlen, hilfe! Wenn jemand nett und höflich fragt, macht es mir nichts aus, aber wenn man so dreist vorgeht reagiere ich gereizt.

Nachmittags bin ich wieder im Hotel und es ist wieder Zeit für einen Mittagsschlaf. Später ziehe ich los und schlendere durch die Gassen, höre Straßenmusikern zu, beobachte Künstler bei ihrer Arbeit. Ich kaufe einige Souvenirs, durch die Straßenstände bahnt sich ein Blinder den Weg, der mit seinem lausigen Gesang etwas Geld verdient. Ich möchte helfen und nutze die Gelegenheit, nerviges Kleingeld loszuwerden. Ein kleines Kind kommt auf mich zu, „Touch me, Miss!“ und streckt mir seine Hand entgegen, ich lege meine in seine – es strahlt. Das Lächeln berührt mich tief.
Später auf einem Straßenmarkt berührt mich unaufgefordert ein Mann und versucht mich zu begrapschen, na danke! Ich beschimpfe ihn und er macht sich schleunigst vom Acker. Manchmal kann es als alleinreisende Frau richtig anstrengend werden… Aber keine Sorge, wirklich schlechte Erfahrungen habe ich (bisher) noch keine gemacht.

Zug nach Solo (Surakarta) Tag 6

Ich nehme am nächsten Mittag einen Zug der economy Klasse in das 1 ½ Stunden entfernte Solo (auch Surakarta), das Ticket kostet gerade mal ca. 80ct! Diesmal sehe ich mich wirklich zwischen Hühnern und halben Kühen, werde aber total überrascht. Der Zug erinnert von der Bauweise an eine MRT, Sitzbänke aus Plastik, keine Klimaanlage, es ist stickig, der Geruch von Schweiß hängt in der Luft, der Fahrtwind hilft auch nicht wirklich. Es sind viele Jugendliche und Geschäftsleute unterwegs. Der Schaffner knipst Löcher in die Fahrkarte, hinter ihm ein Putzmann, der die Schnipsel wieder auffegt. An einer Station steigt ein Mann mit einer Hakenkreuzjacke ein, er trägt die Armbinde stolz zur Schau, auf seinem Rücken prangt das Logo der NSDAP. Ich bin schockiert.

Zug

Zug

Solo – Tag 6&7

In Solo angekommen, handle ich den Fahrpreis mit Becakfahrern aus, ich höre etwas von 50000, zeige die Adresse, dann sind es plötzlich nur noch 10000. Mir kommt der Verdacht, dass der Gute 10 und 100 verwechseln könnte und hebe ihm um sicher zu gehen den 10000 Schein (80ct) vor die Nase. Er willigt ein. Wie sich herausstellt, arbeitet er für das Schwesterhotel – daher der billige Preis. Und als wir durch die Gassen fahren wird mir auch schnell klar, dass es hier kaum Tourismus gibt. Ich begegne hier absolut keinem Touristen! Die Straßen sind dreckig, die Häuser halb eingefallen, die Stadt wirkt extrem arm. Von einer 2. Kulturhauptstadt wie es im Lonely Planet heißt, merke ich wenig. Dafür erlebe ich hier zum ersten Mal das ursprüngliche indonesische Leben ohne Touristen.

Ich schlendere zur Hauptstraße, deren Gehwege erneuert werden und zahlreiche Arbeiter gemütlich Platten verlegen. Mein Weg führt zu einem Basar, einem überdachten Markt, die Leute mustern mich neugierig. Es ist düster, der Boden verdreckt, es gibt Stände mit Früchten, Knabbereien. Es wirkt vermüllt, das Holz ist modrig, es stinkt, an mir huscht eine Ratte vorbei. Ich kaufe mir eine Mango und eine Schlangenfrucht (keine 40ct) und einige Knabbereien. Englisch spricht keiner, aber die Leute sind ausgesprochen nett, begutachten meinen Lonely Planet, den ich unterm Arm klemmen habe.

Als ich draußen bin fängt es mal wieder an zu regnen! Es ist gerade Regenzeit und so regnet es ausnahmslos jeden Tag. Ich rette mich zum Postamt und schreibe Postkarten und da der Regen nicht aufhört, lasse ich mich zu einem Italiener fahren. Richtig edel und teuer für Java, ich bekomme für 11€ 3 Gänge. Zurück im Zimmer muss ich erst einmal ein halbes Duzend Moskitos erschlagen und hänge mein Netz provisorisch auf.

Zug nach Surabaya – Tag 7

Um 8h morgens geht es weiter zu meiner Endstation Surabaya, die Fahrt dauert 4h und ist ziemlich langweilig. Ich muss feststellen, dass alle Züge bis jetzt äußerst pünktlich waren. Ich habe keine Nebensitzer, schaue zum Fenster heraus, döse vor mich hin. Die Landschaft ist besiedelter, ich komme an erstaunlich vielen Wäldern vorbei.

Surabaya – Tag 7&8

Mein Hotel ist vielleicht 500 Meter Luftlinie entfernt, Becakfahrer kommen auf mich zugestürzt und verlangen unverschämte Preise, ich beschließe zu laufen, muss aber bald feststellen, dass das nicht möglich ist. Es führt nur eine Hauptstraße mit chaotischem Verkehr ohne Gehweg direkt hin, die kleine überschaubare Straße schlängelt sich in die falsche Richtung. Ich muss ein Taxi nehmen, halte eins mit Taximeter an und zahle gerade mal die Hälfte vom Preis, den man mir vorher genannt hat. Mein Hotel ist mit 23€ gut 10€ teurer als sonst, aber ich habe sonst nichts gefunden. Die Unterkünfte im Lonely Planet fallen im Internet schlichtweg durch und die besseren Hotels liegen eher außerhalb. So beschließe ich mir für die letzte Nacht, etwas „Teueres“ zu gönnen und tatsächlich, das Hotel ist ziemlich edel und im 6. Stock habe ich einen guten Blick über die Stadt.

Ich mache mich wieder zu Fuß auf, Wikitravel ist sehr hilfreich, „Surabaya besitzt nur wenige herausragende Sehenswürdigkeiten. Sie ist somit ideal für Leute die eine Stadt ohne Tourismus erleben wollen.“ Im Lonely Planet wird ein Basar empfohlen, aber der von gestern reicht mir noch. Ich mache mich auf den Weg zu einer Shoppingmall. Das Viertel sieht an sich ziemlich schick aus, aber immer wieder schlichte Holzbaracken. Es regnet wieder, also erkunde ich die Mall, werde mal wieder von Halbstarken angemacht und verfolgt – irgendwann reicht es dann auch!
Genervt mache ich mich auf den Weg zurück zum Hotel. Der schreckliche Verkehr und der Regen laden keinesfalls zu weiterem Sightseeing ein, ich verbringe einen gechillten Abend im Hotelzimmer.
Das ganze Personal scheint mich zu kennen, spricht mich mit Miss Larissa an, richtig unheimlich.

Flug nach Singapur

Hier sitze ich nun am Flughafen und warte auf meinen Flug, der Flughafen ist winzig und mit 10 Gates sehr überschaubar, die Sicherheitskontrollen ein Witz, ich habe noch sämtliche Metallgegenstände (Schlüssel, Münzen, Sicherheitsschloss) in der Hosentasche. Das Beste ist die handgeschriebene Boardingkarte! Als ich am Gate warte kommt die Durchsage, dass der Flug um 2h verspätet sei. Nebenan beginnt das Boarding für einen Flug der am Vorabend stattgefunden hat. Ich sehe aber meinen Flieger und erkundige mich, tatsächlich mein Flug! Was für ein Chaos! An Board frage ich zur Sicherheit auch noch mal nach 😉
In Singapur warte ich noch eine gefühlte Ewigkeit auf meinen Koffer und fürchte schon er sein verloren gegangen (wäre dann das 2. Mal dieses Jahr).

Ausblick

Ein anstrengender Tag geht zu Ende. Aber die Reise war toll, ich habe viele Einheimische kennen gelernt, über 800 Km im Zug zurückgelegt und viel gesehen und erlebt. Die Tempelanlagen haben einen starken Eindruck hinterlassen, aber auch so manch strahlendes Gesicht. Ich habe viele Bilder gemacht und gefilmt, ich hoffe, das noch eines Tages verwerten zu können…

Morgen muss ich mein Zimmer räumen und am Montag geht es nach Kambodscha.

Tokyo verschlafen

Angekommen
Keine Bange, den Flieger habe ich jedenfalls nicht verpasst – aber alles der Reihe nach. Nachdem ich die Nacht am Flughafen von Taipei verbracht hatte, ging es um 6h50 endlich los, Ziel: Narita Flughafen Tokyo. Vom Flug habe ich rein gar nichts mitbekommen, da ich die ganze Zeit geschlafen habe 😉 Es waren fast nur Asiaten an Bord, so dass ich natürlich vom Zoll herausgepickt wurde und mein Backpack inspiziert wurde. Diese „Inspektion“ bestand jedoch lediglich darin das oberste Objekt zu begutachten – meinen Lonely Planet – und minutiös durchzublättern… Mein Reisepass war dann noch interessanter und es wurden Stempel und Visa analysiert. Der Beamte war dann etwas verwundert, dass ich 5 Stempel aus Malaysia im Pass habe. Nach der Erklärung, dass ich in Singapur studiere und gerne reise, war dann alles in Ordnung!

Da der Flughafen außerhalb liegt, musste ich noch ca. 1 Stunde mit dem Skytrain nach Tokyo fahren. Und hier zeigte sich dann schon, dass Tokyo eine der teuersten Städte ist, ca. 20€ für die Fahrkarte…
Die Fahrt ging durch verregnete industrielle Vorstädte, dichter Nebel, triste Landschaft – ich spürte die Kälte und es fühlte sich wie ein typischer deutscher Novembertag an. Ich habe mich mittlerweile so an die tropischen Temperaturen in Singapur gewöhnt, so dass ich alles unter 25°C als kalt empfinde. Und in Japan war es eisig, zwischen 5-10°C und da ich keine Wintersachen nach Singapur mitgenommen hatte, musste ich das Zwiebelschalenprinzip anwenden und war dann meist mit Top, Sweatshirt, Strickjacke, Kapuzenpulli und Softschelljacke unterwegs…

Auf dem Weg zum Hotel musste ich dann in die Metro umsteigen und ich muss gestehen, dass ich etwas anderes erwartet hatte. In meiner Vorstellung war die Metro modern designed, mit Bildschirmen und einer Menge Anzeigen, voller Menschen und an jedem Gleis Schaffner, die für Ordnung sorgen. Doch in Wirklichkeit sind die Metros und Stationen ziemlich retro, das Design erinnert eher an die 80er, creme/braun, elektronische Anzeigetafeln gibt es kaum, in der Metro selbst gibt es nur Plakatwerbung, die gepolsterten Sitze wirken abgegriffen, haben aber Sitzheizung. Brav in der Schlange steht hier keiner und ich habe auch keinen Schaffner gesehen der die Leute in die Metro schubst. Die Leute stürzen in die Bahn, lassen den Aussteigenden kaum Platz – ich bin verwundert, in Singapur erkennt man noch ein System und in Taipei wird vorbildlich Schlange gestanden – aber in Tokyo?

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Vorurteile
Ich merke die nächsten Tage, dass so einige Meinungen und Vorurteile über Japan und Tokyo nicht wirklich zutreffen.
Hier ist alles lang nicht so modern und technikverliebt wie man glaubt. Schaut man die Handys der Leute an, so haben noch viele überdimensionierte Klapphandys oder Smartphones der ersten Generation, klar gibt es auch Iphones, aber lang nicht so viele wie in Singapur, Taiwan… Samsung Smartphones sind die Ausnahme. In der Metro sitzen viele da und lesen Bücher, das bin ich gar nicht mehr gewohnt, denn in Singapur vertreibt sich wirklich jeder – auch Senioren – die Zeit mit seinem Smartphone oder Tablet und streamt Filme, spielt Spiele und schämt sich nicht den Ton anzuhaben und so alle Mitmenschen an nervigen Geräuschen teilhaben zu lassen.
Die Metrostationen wirken düster, ich muss viele ungewohnte Treppen laufen, denn Rolltreppen und Aufzüge sind Mangelware, in Singapur auch wieder das komplette Gegenteil, hier läuft keiner freiwillig 3 Schritte zu viel.
Einen Mundschutz trage einige, aber insgesamt vielleicht nur etwa 5%.
Die englische Beschilderung ist auch dürftig und teilweise irreführend, ich merke schnell, dass die Englischkenntnisse hier sehr dürftig sind und viele nur Japanisch können. So schlage ich mich die nächsten Tage oft mit Zeichensprache durch…

Japaner gelten als überaus freundlich und höflich, manche behaupten es sei das höflichste Volk der Welt. Ich bekomme in Tokyo einen ganz anderen Eindruck, so ziemlich alle anderen asiatischen Nationen, die ich bisher kennen gelernt habe sind gastfreundlicher. Viele Menschen wirken auf mich sehr mürrisch, haben Ihren Trott und wirken sehr festgefahren, schenken ihren Mitmenschen kaum Beachtung, alten Leuten wird kein Sitzplatz angeboten. Auch ich bekomme im Supermarkt die „Höflichkeit“ zu spüren, die Schlange an der Kasse ist riesig, so dass eine neue aufmacht, wie viele andere reihe ich mich an der neuaufgemachten Kasse an. Ich bin erste, werde aber nicht bedient, sondern mit japanischen Gebrumme an die andere Kasse zurückverwiesen…
Auch auf der Straße begegne ich Leuten, die mich ich ignorieren oder von mir davon laufen, wenn ich nach dem Weg frage. Mir ist es rätselhaft was ich falsch mache, ich bin stets freundlich, lächle und bedanke mich – das kann ich von vielen Japanern nicht behaupten. Das Verhalten der Leute erinnert mich hier viel mehr an Europa als an Asien – selbst in der ärmsten Ländern sind die Leute sehr gastfreundlich und hilfsbereit, haben immer ein Lächeln im Gesicht und behandeln einen keineswegs so ignorant wie mancher Japaner.
Tokyo soll flippig und verrückt sein… Ich gehe in einigen angesagten Vierteln spazieren, einige aufgestylte Frauen in knappen Röcken und Kniestrümpfen drücken mir Flyer in die Hand, wenn ich sie aber fotografieren möchte, ist vielen ihr „Kostüm“ peinlich und wollen nicht erkannt werden. Sie machen Werbung für Cafés, Bars und Spielehallen, sind teilweise ziemlich dürftig bekleidet, zwischen Kniestrümpfen und Minirock zeichnet sich auf der blanken Haut eine Gänsehaut ab – ich habe Mitleid. Jugendliche im Mangalook treffe ich kaum, die meisten Aufgestylten machen das beruflich. Überhaupt wirkt die Mode, die auf der Straße getragen wird, ziemlich grau und trist, knallbunte Skijacken, wie sie bei uns gerne im Winter getragen werden, sucht man vergebens. Es gibt einige Spielhallen, an vielen Straßenecken stehen Automaten, an denen man sich Karten, Figuren und sonstigen Kitsch herauslassen kann. In Deutschland habe ich diese Art von Automaten schon seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen. Pokémons sind hier noch voll im Trend, bei McDonalds gibt es den Kalender für 2013 zu irgendeinem Menü dazu.
Viele Läden wirken auf mich leicht „gruschtig“, unübersichtlich, bis obenhin zugestellt und Produkte werden oft mit handgeschriebenen Zetteln beworben.
An außergewöhnlichen Sachen habe ich einen Buchautomaten in der Metrostation gesichtet und einen Schließkasten für Regenschirme.

Buchautomat

Buchautomat

Regenschirmschließfach

Regenschirmschließfach

Als ich das Viertel, in dem mein Hotel steht, erreiche, habe ich das Gefühl eine Zeitreise zurück in die 80er zu machen, die Gebäude könnten einen neuen Anstrich vertragen, es parken alte Autos, viele Geschäfte haben geschlossen, stehen wohl schon seit Jahren leer, der Friseur hat wohl immer noch das Orginaldesign aus den 60er, es wohnen hier scheinbar vorwiegend Senioren. Ich fühle mich stark an eine Kleinstadt erinnert, die ausstirbt, aus der nach und nach alle jungen Leute fortziehen.

Hotelviertel

Hotelviertel

Mein Zimmer ist im japanischen Stil eingrichtet, eine Matraze auf dem Boden – das Zimmer ist kaum größer – ein kleiner Tisch und ein Regal mit Kühlschrank, die Wand vergilbt, die Klimaanlage/Heizung gibt einen leicht modrigen Geruch von sich. Es gibt Gemeinschaftsbad und Küche. Die Zimmer in Tokyo sind unwahrscheinlich teuer und so bin ich glücklich dieses „Hotel“ gefunden zu haben, da das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. In der Küche kann man sich sein Essen selber zubereiten, was angesichts der Restaurantpreise ganz praktisch ist. Das Gemeinschaftsbad ist sauber und die Klos sind tatsächlich wie erwartet mit Wasserreinigung und einer ganzen Reihe Knöpfe ausgestattet.
Es gibt eine Sitzheizung, was ich nach längerer Zeit draußen in der Kälte zu schätzen lerne, ich komme nicht drum herum die Wasserreinigung zu benutzen, da mit dem einlagigen Klopapier nichts anzufangen ist 😉 Genauso wie es statt Klobürsten in Asien meist einen separaten Schlauch /Brause zum Abspritzen gibt. Ich wundere mich, warum sich so etwas bei uns in Europa nicht durchsetzt, diese Methode ist doch viel hygienischer als Bürsten, die stinken und vor sich her modern. Auch die Wasserreinigung hat so seine Vorteile, man spart deutlich an Klopapier 😉

Und warum habe ich Tokyo nun verschlafen? Am ersten Tag war ich von der am Flughafen verbrachten Nacht etwas K.O. und habe erst einmal eine Runde schlafen müssen. Und am nächsten Tag verhieß ein Halskratzen nichts Gutes… Am darauf folgenden Tag war meine Stimme weg und eine böse Erkältung inkl. Fieber kündigte sich an. Ich war an dem Abend so erledigt, dass ich es kaum noch zurück ins Hotel geschafft habe. Nach fast 24h Schlaf und japanischen Medikamenten ging es dann wieder etwas besser. Aber ich war noch ziemlich schwach auf den Beinen und habe ehrlich gesagt die restlichen Tage zum größten Teil im Bett verbracht. Ich war 6 Tage in Tokyo, konnte aber nur einen ganzen Tag und an den anderen Tagen jeweils ein paar Stunden Zeit für Sightseeing  aufbringen, einen habe ich auch komplett verschlafen.

Apotheke auf Japanisch – moderne Konversation
Es war gar nicht so einfach eine Apotheke zu finden, an der Rezeption hatte man mir gesagt wo die nächste Apotheke sei und ich hatte darum gebeten auf Japanisch aufzuschreiben was ich habe und für Medikamente möchte. Man hatte mich zum Einkaufszentrum neben der Metrostation geschickt, aber nirgends war ein Apothekenzeichen zu sehen. Ich habe einige Leute auf Englisch angesprochen, wo die Apotheke sei. Einige Leute sind weggelaufen, als ich angefangen habe auf Englisch zu reden, allgemeines Schulterzucken, keiner schien mich zu verstehen oder war wirklich daran interessiert mir weiterzuhelfen. Zum Glück gibt es im Lonely Planet einen Sprachführer, wo auch das Wort für Apotheke in japanischen Zeichen abgebildet ist. Das habe ich einigen gezeigt und einer war dann bereit mir den Weg zu zeigen. Allerdings auch eine sehr komische Begegnung, er ist dann vor mir in Eiltempo hergelaufen, so dass ich nicht Schritt halten konnte, hat sich nicht umgedreht, nicht geschaut wo ich bin, blieb dann irgendwann stehen, zeigte auf einen Laden und war weg. Von außen verriet nichts, dass hier eine Apotheke drin ist, es handelte sich um einen Drogeriemarkt, der im hinteren Teil eine Apotheke samt Apotheker beherbergt. Ich stand zunächst etwas verloren im Laden, da ich die Apotheke noch nicht gesehen hatte. An der Kasse habe ich dann meinen Zettel mit der Notiz was ich habe vorgezeigt, ich wurde zum Apotheker geführt. Wie ich schnell merkte, sprach dieser fast kein Wort Englisch, so war mein Notizzettel äußerst hilfreich. Dennoch zeigte ich nochmal an meinen Hals, hustete ihm etwas vor, ließ ihn hören, dass meine Stimme komplett im Eimer war und langte mir an die Stirn um ihm klar zu machen was ich alles habe. Unsere Konversation fand schriftlich statt, er ist dann immer schnell in sein Arbeitszimmer verschwunden und hat sich wohl mit Google Translate die passenden Worte herausgesucht. Ich habe schließlich Tabletten erhalten, natürlich alles auf Japanisch inkl. Beipackzettel, also musste er mir noch aufschreiben wann und wie ich sie nehmen muss.  Das nennt sich moderne Kommunikation!

Sightseeing
Tokyo ist riesig und so gibt es jede Menge Stadtviertel, die man besichtigen kann. Ich bin meist einfach spazieren gegangen, habe mir nur wenige wirkliche Touristenattraktionen angetan. Was will ich auf dem Tokyo Tower, einer Replik des Pariser Eifelturms? Ich bin durch Parks geschlendert, habe einige Tempel besichtigt und wurde dort sogar Zeugin einer Hochzeit.

Fazit
Ein Besuch in Tokyo lohnt sich allemal, doch so außergewöhnlich fand ich diese Stadt nicht. Vieles hat mich mehr an Europa als an Asien erinnert und die Stadt ist keineswegs futuristisch, wirkt oft retro. Durch meine Erkältung habe ich es leider auch nicht aus der Stadt heraus geschafft, eigentlich hatte ich mir vorgenommen, Yokohama und die vorgelagerten Inseln anzuschauen.

Taiwan

Ich sollte mir mal angewöhnen Flüge zu buchen, die so gelegt sind, dass ich nicht um 5h morgens aufstehen muss und verschlafen vorprogrammiert ist… Nun ja ich habe es 5 Minuten vor Ende des Check-Ins noch an den Flughafen in Singapur geschafft! Mit Zwischenstopp in Kuala Lumpur ging es dann nach Taiwan! Vom Flug war ich positiv überrascht, Billigairlines scheinen für Mittel- und Langstreckenflüge etwas größere Flieger mit mehr Komfort und Beinfreiheit zu haben!

Ich hatte ein nettes malaysisches Paar neben mir und wie haben uns über Kultur, Gesellschaft und Politik ausgetauscht, da lernt man doch das deutsche Sozialsystem zu schätzen!

Im Vorfeld hatte ich einige Bedenken was die Sprache angeht, ich spreche kein Wort Chinesisch und einige singapurische Freunde hatten mir schon viel Spaß gewünscht… Am Flughafen wurde ich positiv überrascht, der Beamte bei der Passkontrolle sprach perfekt Englisch! Der Taxifahrer dafür kein Wort…

Spät abends bin ich also in Taoyuan gelandet und habe mir ein Hotel in der Nähe des Flughafens genommen, da es nach ca. 23h offenbar keine Zug/Busverbindung mehr nach Taipei gibt. Schönes großes Zimmer mit Badewanne :), aber ich war dann leicht überfordert den Lichtschalter zu finden. Es gab eine Konsole mit zig Knöpfen und chinesischer Beschriftung, nach einigem Rumdrücken hatte ich schließlich raus, welcher Schalter für welches Licht, für die Lüftung, Klimaanlage, etc. waren. Überhaupt war hier absolut alles auf Chinesisch, auch der Hotelname war nur in chinesischen Zeichen an der Außenwand angebracht,  ohne Taxi hätte ich nie hierher gefunden!

Konsole

Konsole

Am nächsten Morgen ging es dann mit der Bahn weiter in die eine Stunde entfernte Hauptstadt Taipei. Bei meinem Spaziergang vom Hotel zum Bahnhof bestätigte sich mein Eindruck des vergangenen Abends: Taoyuan ist eine industrielle Kleinstadt, wirkte etwas schmuddelig und es war alles auf Chinesisch, nur die Straßenschilder waren zweisprachig. Am Bahnhof habe ich es geschafft mir eine Fahrkarte zu organisieren, was mit „Taipei“ gemeint ist, versteht ja wohl jeder…

Taoyuan

Taoyuan

Taipei präsentierte sich als moderne Stadt, die MRT ähnelt der in Singapur stark, einige Bahnen schienen sogar baugleich. Wer hat da wohl wen kopiert? In der Station ist alles zweisprachig ausgeschildert, Lagekarten am Ausgang bieten eine gute Übersicht und die Touristenattraktionen waren gut beschildert. Meine Befürchten waren also weg, ich habe die zwei Tage in Taipei kaum Schwierigkeiten gehabt mich zurecht zu finden. Und die Leute waren auch sehr freundlich und hilfsbereit.

MRT

MRT

Schlange stehen

Schlange stehen

Verbote - wie in Singapur!

Verbote – wie in Singapur!

Klobelegungsplan

Klobelegungsplan

Das zeigte sich gleich bei der Ankunft, als ich in der Straße herumgeirrt bin um mein Hostel zu suchen. Ich wurde angesprochen was ich suchen würde und dorthin gebracht… Im Hostel wurde ich freundlich begrüßt, herumgeführt und erhielt zahlreiche Tipps was sich lohnt anzuschauen und wie ich dort hinkomme. Einfach unglaublich netter Rezeptionist, der perfekt englisch sprach und von dem ich an den zwei Tagen viel über taiwanesische und chinesische Kultur erfahren habe.

Es ging zum Palast Museum, einer riesigen Anlage mit 2 Hauptkomplexen und Gärten. Das Museum beherbergt eine riesige Sammlung an chinesischen und taiwanesischen Kulturgütern, viele Schriften und Gefäße wie z.B. die berühmten Mingvasen.

National Palace Museeum

National Palace Museeum

National Palace Museeum

National Palace Museeum

Nachtmärkte gibt es in fast jedem Viertel, Straßenstände bieten kleine Häppchen an, teilweise auch ziemlich skurrile wie Schlangensuppe und es gibt neben Essen noch Kleidung, Schuhe und sonstigen Ramsch zu kaufen.

Nightmarket

Nightmarket

hmm... wer traut sich?

hmm… wer traut sich?

Essenstand

Essenstand

Taipei 101 ist das ehemals höchste Gebäude der Welt (101 Stockwerke): auf die Freiluftplattform durfte ich wegen schlechtem Wetter leider nicht und musste drinnen bleiben. Der Blick über Taipei war gar nicht so weitreichend und funkelnd – gemessen an anderen Metropolen ist es hier richtig dunkel.

Taipei bei Nacht

Taipei bei Nacht

cityview

cityview

Taipei 101

Taipei 101

Jadedrache

Jadedrache

es Weihnachtet...

es Weihnachtet…

Taipei bei Nacht

Taipei bei Nacht

Taipei 101

Taipei 101

Dim Sum Zubereitung

Dim Sum Zubereitung

Wohlgemerkt ist das Essen in Taiwan köstlich, mein all-time-favorite: Dim Sum aka chinesische Maultaschen (mit Suppe/Fleischfüllung) und ehrlich gesagt fast besser als die schwäbischen…

Die Tempel, die ich besichtigt habe waren sehr farbenprächtig und beeindruckend. Ein Blumenverkäufer kam auf mich zu um mich über die Geschichte des Longshan-Tempels zu unterrichten und mich auszufragen woher ich komme.

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Fahrradparkplatz

Fahrradparkplatz

Lonshan Tempel

Lonshan Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

süüüß

süüüß

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Konfuzius Tempel

Bao Shan Tempel

Bao Shan Tempel

Bao Shan Tempel

Bao Shan Tempel

Bao Shan Tempel

Bao Shan Tempel

Westliche Touristen sind hier eine Seltenheit, ich bin an einem ganzen Tag maximal 10 Leuten in der Stadt begegnet (ausgenommen von den Touristenattraktionen, da hatte vielleicht jeder 200. westliche Gesichtszüge). Die meisten Besucher stammen aus Japan, China und Korea, auch in meinem Hostel waren nur asiatische Nationen vertreten. So ist es nicht verwunderlich, dass ich neugierig beobachtet wurde, aber keineswegs unangenehm angestarrt wie in anderen Ländern. Einige sind so auch auf mich zugekommen um mir Hilfe anzubieten oder zu fragen woher ich komme, warum ich in Taiwan bin und wie es mir da gefällt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein kleines Mädchen auf dem Nachtmarkt, das wohl noch nie jemand blondes gesehen hat und mich minutenlang bewundernd angeschaut hat – einfach goldig… Ich muss sagen, in Taiwan sind mir bisher die freundlichsten und hilfsbereitesten Leute begegnet.

Mir hat es in Taiwan sehr gefallen und 2 Tage waren leider zu kurz, ich habe Taipei kennen gelernt, aber ich hätte liebend gerne noch mehr von diesem gastfreundlichen Land kennen gelernt.

Die letzte Nacht habe ich am Flughafen übernachtet, da mein Flieger um 6h50 ging, Check in war ab 3h50. Und da der Flughafen sehr modern ist und überall Security herumläuft hatte ich auch keine Bedenken. Ich habe hier den wohl seltsamsten Menschen bisher kennen gelernt. Ein Amerikaner, der ebenfalls auf seinen Flug wartete, außer dass er schon seit 5 Tagen wartet und noch 11 warten muss! Er erzählte mir, dass er ein Ticket auf die Philippinen hatte, aber kein Rückflugticket und so wurde ihm die Weiterreise verwehrt und musste den Flug umbuchen und ist nun in Taiwan gestrandet. Er schien irgendeine Art von Behinderung zu haben und die Konversation mit ihm war äußerst schwierig… Auf die Frage warum er hier am Flughafen schläft und sich nicht Taipei anschaut und dort wohnt, hieß es er hätte kein Geld und hätte Angst alleine den Flughafen zu verlassen, er wisse ja nicht ob er je wieder hier her finden würde… Ahjaaa… Danach ging es um Verschwörungstheorien… Wie gesagt, die seltsamste Begegnung die ich je hatte!

Früh morgens ging es dann nach Tokyo, aber das ist eine andere Geschichte!

Alles hat ein Ende

Nun ist es über 2 Wochen her, dass ich die letzte Vorlesung hatte. Ja, das Semester ist rum… Die letzten Wochen vergingen wie im Flug.

Hier nun einige Eckdaten:
13 Wochen Vorlesung, 1 Woche Urlaub, 3 Fächer an 2 Tagen, etliche Stunden Hausaufgaben…

Ich hatte von den ECTS Punkten her etwa die Hälfte von dem was ich sonst in Deutschland mache bzw. was die Locals in einem Semester machen. Ich wollte meinen Stundenplan nicht überladen, um noch genügend Zeit zu haben Singapur und Nachbarländer zu erkunden. So hatte ich lediglich am Dienstag und Mittwoch Vorlesung…
Klingt wenig, ist es aber nicht. Das System ist hier etwas anders aufgebaut als an der HdM, ich habe nur Tutorials besucht, also keine Vorlesungen im eigentlichen Sinn. Es wird in einem Computerraum praktisch unterrichtet, ca. 20 Studenten, so dass der Dozent auf jeden einzelnen eingehen kann. Es gibt in der Stunde Aufgaben und auch für die Woche darauf reichlich Hausaufgaben. Schwänzen geht nicht, da Anwesenheitspflicht besteht und in die Endnote mitreinzählt. So arbeitet man konstant mit, hat über das Semester einige Abgaben und gegen Ende hin eine größere. Aber der Prüfungsstress ist ausgeblieben, es gab für meine praktischen Fächer nämlich keine!
In anderen Studiengängen ist es eher wie gewohnt: meine Mitbewohnerin studiert Verfahrenstechnik, hatte „klassische“ Vorlesungen, hat gerne mal geschwänzt, war die letzten 2 Vorlesungswochen im Urlaub und ist nun im Prüfungsstress…
Mein Studiengang ist praktisch, durch die Anwesenheitspflicht und die Abgaben wird man gezwungen regelmäßig mitzuarbeiten um nicht zurückzubleiben. Doch hat mich das leider zu sehr an die Schule erinnert, das meiste wurde uns vorgekaut, selbstständiges Lernen und erarbeitet eher nicht gefordert… Aber dank der zahlreichen Abgaben habe ich mein Zeitmanagement in den Griff bekommen und verschiebe nun nicht mehr alles nach hinten. Ich habe es (endlich?) gelernt nicht mehr alles auf den letzten Drücker zu machen 😉 Mit meinen Endabgaben hat das super geklappt, ich war fast eine Woche zu früh fertig! War aber auch besser so, weil die Abgabetermine leicht mit meinen Reiseplänen kollidiert sind…

Noch einige Details zu meinen Vorlesungen:
Editing: super nette Dozentin, die selbst mal an der ADM (meiner Fakultät) Studentin war, ich habe Final Cut zu schätzen gelernt und ziehe es nun Premiere vor… Ich habe einiges zur Geschichte des Schnitts und zu Schnitttechniken gelernt… Aber so weltbewegend sind meine neuen Erkenntnisse nun auch nicht.

Lighting & Rendering
Tja was habe ich hier gelernt? Wie man HDRIs und image-based lighting anwendet… Aber sonst? Um ehrlich zu sein, hat mich diese Vorlesung etwas enttäuscht, wir haben ein bisschen an Shadern gespielt, so gut wie nie Licht gesetzt und nur gegen Ende einen (nicht wirklich tiefen) Einblick ins Rendern bekommen. Warum heißt die Vorlesung dann so?

teabox_abgabe

Rigging
Sehr hoher Arbeitsaufwand! Ich saß pro Woche bestimmt 1-2 Tage an den Hausaufgaben! Und am Ende hatten wir einen Menschen gerigged, also das Skelett inkl. Controllern erstellt, das notwendig zum Animieren ist. Mit Hilfe seiner Videotutorials ließ sich diese Aufgabe gut meistern, allerdings ist durch das Nachmachen nicht alles wirklich hängen geblieben und verankert.

rig

Andere Austauschstudenten, die nicht von der HdM kamen, waren nicht in meinen Vorlesungen anzutreffen. Die Locals waren zum Teil extrem schüchtern und sin erst gegen Ende des Semesters aufgetaut, sehr schade, denn so entstanden einige Freundschaften erst sehr spät.

Fazit
Tolles Semester! Ich habe zwar nicht ganz so viel gelernt wie ich mir erhofft habe, aber dafür ganz viele tolle Erfahrungen gemacht, mich weiterentwickelt ( ich hätte mir vor 4 Monaten nie träumen lassen, dass ich alleine nach Tokyo reise und am Flughafen diesen Bericht schreibe) und festgestellt, dass alleine reisen viel mehr Spaß machen kann als in einer Gruppe…  Ah und das erwähnte Zeitmanagement 😉 Mein Englisch ist deutlich besser geworden und habe nun auch keinerlei Probleme mehr drauflos zu reden, selbst wenn die Grammatik nicht ganz stimmen mag. Ich habe andere Kulturen kennen gelernt, einen Einblick in deren Alltag erhalten, Asien zu schätzen gelernt Leute aus den verschiedensten Ländern kennen gelernt. Und Singapur vermisse ich jetzt schon 😉

Mein Rat: macht ein Auslandssemester, es wird euer Leben bereichern!